Die Atmoſphäre. 9
wirte, daß man mit reiner Miſtjauche ein Feld„verbrennen“ kann. Ich will des Intereſſes wegen hier noch einen akuten Ver⸗ giftungsfall erwähnen, der von Dr. P. Wagner beſchrieben worden iſt. Nach den Mitteilungen desſelben wurde eine Fläche von 15 Morgen bei Hanau mit einem ammoniakaliſchen Superphosphate gedüngt, welches 13 Proz. Phosphorſäure und 10 Proz. Stickſtoſſ ent⸗ hielt. Die darauf geſäete Gerſte ging ſehr ſpät auf, die Keime waren kraftlos und braungelb, trotzdem die Menge des Düngers nur ½ Ctr., d. i. 6 ½ Pfd. Phosphorſäure und 5 Pfd. Stickſtoff pro Morgen be⸗ trug, Quantitäten, die noch lange nicht ſtark genug ſind, um ſchäd⸗ lich wirken zu können. Dr. P. Wagner fand auch bei Unterſuchung einer noch vorhandenen Probe des Düngers, daß weder die Phos⸗ phorſäure⸗, noch die Stickſtoffmenge an dieſem Mißerfolge die Schuld trugen, ſondern daß die Vergiftung von einer Stickſtoffver⸗ bindung herrührte, welche die Chemiker mit dem Namen Rhodan be⸗ zeichen und die in bedeutender Meuge in dem betreffenden Dünger vorhanden war. Da es ſchon öfter vorgekommen iſt, daß aus England bezogenes ſchwefelſaures Ammoniak(ſ. ſpäter) dieſen Körper enthielt, deſſen Schädlichkeit für die Pflanzen ſchon früher von C. Schumann im kleinen nachgewieſen wurde, ſo können die Landwirte nicht genug auf dergleichen Erſcheinungen achten.
Wie wir oben geſehen haben, nimmt die Pflanze ihre Nahrung teils aus der Atmoſphäre, teils aus dem Boden, wir können da⸗ her nicht umher auch dieſe beiden Gegenſtände kurz zu beſprechen.
Die Atmoſphäre
oder die die Erde umgebende Lufthülle beſteht aus einer Miſchung von Sauerſtoff und Stickſtoff in konſtantem Verhältniſſe, ſie enthält nämlich auf 79,1 1 Stickſtoff 20,9 1 Sauerſtoff oder auf 76,9 g ⸗ 23,1 g. Da aber alle gasförmigen Körper die größte Neigung haben, ſich mit einander zu vermiſchen, ſo ſammeln ſich in der Atmoſphäre auch alle Gaſe und Dämpfe an, die durch die Naturvorgänge auf der Erde ſich bilden. Wir finden daher in derſelben noch eine ganze Reihe flüchtiger Stoffe, deren Mengen aber je nach örtlichen Verhältniſſen ſchwankend ſind.
Den Sauerſtoff und den Stickſtoff bezeichnete man früher als ſogenannte permanente Gaſe, d. h. als ſolche, die weder durch Druck noch durch Kälte in Flüſſigkeiten verwandelt werden konnten; mit der Vervollkommnung der Technik iſt dies aber gelungen, ſo daß man heute den Ausdruck permanente Gaſe überhaupt nicht mehr kennt.
Sie wurden zuerſt dadurch als von einander verſchieden erkannt, daß man fand, daß ein Teil der atmoſphäriſchen Luft die Verbrennung zu unterhalten im Stande ſei und daß auch dieſer Teil, der Sauer⸗


