8 Pflanzennahrungsmittel.
viele und mühſame Verſuche hat die Chemie feſtgeſtellt, daß ohne die⸗ ſelben keine Pflanze ſich entwickeln kann; ſie ſtirbt ſtets nach kurzer Zeit, wenn man verſucht, ſie ohne jede Zufuhr von Nährſalzen aufzuziehen. Die Mineralſtoffe, die die Pflanze in größter Menge verlangt, ſind dieſelben, die auch in ihrer Aſche am ſtärkſten hervortreten, nämlich Kali, Phosphorſäure und Kalk. Gegen dieſe treten alle übrigen in den Hintergrund, letztere findet die Pflanze, mag ſie wachſen wo ſie will.
Die Form, in der der Pflanze ihre Nahrung geboten werden muß, hängt mit ihrer Organiſation zuſammen. Da ſie keine Organe zur Aufnahme feſter Nährſtoffe beſitzt, kann ſie nur flüſſige, d. h. in Waſſer gelöſte oder gasförmige Nahrung zu ſich nehmen. Die gasförmige Nahrung der Pflanze beſteht aus der Kohlenſäure und dem Sauerſtoff der Luft und dem Waſſer in Dunſt⸗ form; ſie abſorbirt dieſelben vermittelſt ihrer Blätter. Die flüſſige Nahrung nimmt ſie durch die Wurzeln auf. Je nach dem Grade der Löslichkeit im Waſſer ſind daher die verſchiedenen Nährſalze(ihre mineraliſche Nahrung) auch im verſchiedenen Grade wertvoll für die Pflanzen. Wollte man z. B. einer Pflanze zumuten, das Kali des gepulverten Feldſpates, welcher faſt 17 Proz. dieſes Stoffes enthält, als Nahrung in ſich aufnehmen, ſie würde ſicher verhungern, da Feldſpat für ſie nicht genügend löslich iſt; giebt man ihr aber an Stelle des Feldſpates das im Waſſer lösliche ſchwefelſaure Kali, ſo wird ſie dasſelbe leicht aufnehmen. Bei Beſprechung der einzelnen Düngemittel werden wir auf dieſen wichtigen Punkt ausführlicher zu⸗ rückkommen.
Neben den Nahrungsmitteln der Pflanze müſſen wir auch einige Worte über die Gifte derſelben ſagen, da die letzteren häufiger vorkommen, als man im allgemeinen denkt. Als Gifte für die Pflanzen ſind alle Stoffe mit ſtark ausgeprägten chemiſchen Eigenſchaften anzuſehen, alſo alle ſtarken Säuren, alle ſtarken Baſen, leicht lösliche Salze ꝛc. Da jeder Dünger ſolche Stoffe enthält, ſo iſt auch jeder Dünger Gift, wenn er nicht gehörig ver⸗ dünnt angewandt wird, oder wenn er direkt auf die Pflanzenwurzeln einwirkt. Kann ſich ja auch der Menſch mit dem an und für ſich ſo unſchuldigen und für ſeine Ernährung ſo unbedingt notwendigen Koch⸗ ſalze vergiften, wenn er es in zu großer Menge verzehrt. Es ſchreiben ſich daher wohl auch manche der üblen Erfahrungen, die Landwirte mit konzentrierten Düngern gemacht haben. Ich habe z. B. ſelbſt erlebt, daß ein Gärtner Gurkenpflanzen tötete, indem er ſie mit einem Präparat unmäßig düngte, das nur 4 Proz. Stickſtoff(in der unſchädlichen Form von Blut) und ſonſt nur erdige Beſtand⸗ teile enthielt. Derſelbe Dünger gab bei 5 Ctr. per Morgen ſichtbar gute Reſultate. Es iſt ja auch eine alte Erfahrung praktiſcher Land⸗
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