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Die käuflichen Düngestoffe, ihre Zusammensetzung, Gewinnung und Anwendung / von A. Rümpler
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Pflanzennahrungsmittel. 77

ſtoff und Sauerſtoff aufnehmen, um Zucker⸗ oder Holzfaſer bilden zu können, ſo braucht ſie außerdem Stickſtoff und eine gewiſſe Menge von Mineralſubſtanzen, um die lange Reihe von Stoffen zu erzeugen, die Alle zur Erhaltung ihrer Lebensthätigkeit nötig ſind. Hier aber beſteht eine große Kluft zwiſchen Pflanze und Tier: Während letzteres faſt ausſchließlich von Stoffen lebt, welche der organiſchen Welt entſtammen, lebt die Pflanze von rein an⸗ organiſchen Stoffen. Es iſt das der Kreislauf in der Natur, der ſchon den Stoff zu mancher poetiſchen Betrachtung gegeben hat. Aus den unorganiſchen Beſtandteilen des Bodens und der Luft bildet ſich die Pflanze, die Pflanze dient dem Tiere zur Nahrung, bis dieſes zerfällt und ſeinen Körper der unorganiſchen Welt zurück giebt als Nahrung für neue Pflanzen.

Unter den Pflanzennahrungsmitteln nimmt die Kohlen⸗ ſäure eine hervorragenden Platz ein. Sie iſt als Gas oder in Löſung überall zu finden, in der Atmoſphäre, im Boden, im Waſſer und in jeder Geſtalt verſteht es die Pflanze, ſie in ſich aufzunehmen. Sie abſorbiert ſie mit ihren Wurzeln aus dem Boden, mit ihren Blättern im Sonnenlichte aus der Luft und verwandeln ſie in kohlenſtoffreichere Pflanzenſubſtanz, indem ein Teil des Sauerſtoffes in derſelben wieder ausgeatmet wird.

Das Waſſer iſt für alle organiſierte Weſen unentbehrlich, Tiere und Pflanzen brauchen es gleich nötig; während aber das Tier das Waſſer einfach als ſolches in den Organismus aufnimmt, hat die Pflanze wahrſcheinlich noch nebenbei die Fähigkeit, dasſelbe in ſeine Beſtandteile zu zerlegen und dieſelben zur Bildung organiſcher Ver⸗ bindungen zu verwenden. Für die Pflanze iſt das Waſſer daher ein wirkliches Nahrungsmittel; es liefert die für dieſelbe nötige Menge Waſſer⸗ ſtoff und einen Teil des Sauerſtoffs. Außer dem Waſſer liefert auch die Atmoſpäre einen Teil des für die Pflanze nötigen Sauerſtoffs.

Die Salpeterſäure, ſelbſtverſtändlich an Baſen(Kalk, Kali, Natron) gebunden, liefert der Pflanze hauptſächlich den für den Auf⸗ bau ihrer Organe nötigen Stickſtoff; Ammoniak oder ſtickſtoffreiche Tier⸗ ſtoffe, die man dem Boden zuführt, werden durch Zerſetzung erſt in dieſen Stoff verwandelt, ehe ſie von der Pflanze aufgenommen werden, ja ſelbſt der ſo wenig zu Verbindungen geneigte Stickſtoff der Luft kann der Pflanze zur Ernährung dienen, indem ſich aus demſelben unter beſonderen Verhältniſſen Salpeterſäure bildet.

Wir haben ſoeben diejenigen Nahrungsmittel der Pflanze kurz aufgezählt, die zur Erzeugung der organiſchen Beſtandteile der⸗ ſelben dienen, die Mineralbeſtandteile derſelben können ſelbſtverſtändlich nur in Form ſalzartiger Verbindungen aufgenommen werden. Man hat früher oft den Wert der mineraliſchen Nahrungsmittel für die Pflanze falſch beurteilt, ja man hat ihn ſogar ganz geleugnet; erſt durch