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über die Abartungen der kultivirten Eflanzen. 17
schaftlich betrieben wird, bleibt es hier, wie in so manchen Fällen, zwei- felhaft, was man unter den Provinzialnamen zu verstehen habe.
Der Landwirth unterscheidet die Weizenarten hauptsächlich, nach der Farbe der reifen Körner und des reifenden Strohes. Man hat braunrothen, gelben und weiſsen Weizen in verschiedenen Nüancen. Mit der Farbe der Körner stimmt die Farbe des Strohes zuweilen, aber nicht immer, überein. Die Engländer unterscheiden braunen und gelben Weizen mit weiſslichem Stroh, und weiſsen Weizen mit bräunlichem Stroh, als besondere Abarten. Der Botaniker beachtet die Farbe als ein bloſses Naturspiel vielleicht zu wenig. Aber sie deutet doch eine verschiedene Natur der Pflanze an, und bei genauer Beobachtung findet man doch oft, daſs bei verschiedener Farbe auch ein verschiedenes Verhältniſs der Theile in der Form da ist. Ob die Verschiedenheit der Farbe ausdauernd sey, auch wenn die Saat auf verschie- denem Boden oder in ein anderes Klima verpflanzt wird, scheint noch zwei- felhaft. Aber schnell, d. h. in den ersten Generationen, verändert sie sich nicht; wenn gleich der braunrothe Weizen, der nur dem thonigen weichen Boden angemessen ist, auf leichteren gebracht, im übrigen hochst küm- merlich wird.*
Aber ein botanisch- und ökonomisch-wichtiger, obwohl noch wenig beachteter Unterschied des Weizens ist der, daſs einige Arten eine glatte Spelze(valvula laevis, muda), andere eine sammtartige filzige(dalvula lanu- ginosa, tonnentosa) haben. Eine von den Engländern besonders auf Höhe- boden sehr gerühmte und auch zu uns gekommene Weizenart, hat dieses tomentunn am auffallendsten, und wird daher von ihnen White vellbet, wei- ſser Sammtweizen, genannt. Ob dieser Filz so beständig sey, daſs er botanisch einen specifischen Unterschied bestimmen kann, wage ich noch nicht zu bestimmen; aber für die Landwirthschaft ist er sehr wichtig. Er
ist ohne Zweifel ein sehr thätiges Einsaugungsorgan, die Feuchtigkeit hängt
daran, und solcher Weizen bleibt nach Regen und Thau weit länger nals
als der glattspelzige. Daher paſst er sich so sehr für hohe trockene Ge- genden; taugt aber durchaus nicht für feuchte neblige Niederungen. Vor
wei Jahren(1311) sahe ich im Oderbruche ein Weizenfeld, was durchaus Staubbrand hatte, und bei genauerer Untersuchung fand ich, dalſs es die- ser Sammtweizen sey, den der Besitzer aus Dessau hatte kommen lassen. Die übermäſsige Feuchtigkeit der Aehre erzeugte ohne Zweifel diese, mit
dem Kornbrande nicht zu verwechselnde, Krankheit..


