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Ueber die Gesetze der Natur, welche der Landwirth bei der Veredlung seiner Hausthiere und Hervorbringung neuer Rassen beobachtet hat und befolgen muss / Von Herrn Thaer
(Vorgelesen den 11. Juni 1812)
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ben, der selten seine Vollkommenheit erhält. Ich nicht nur, sondern viele andere, haben diese Versuche mehreremale gemacht, und immer gleiche Re-

sultate erhalten. Besonders haben manche sehr gepriesene Sommerweizen-

Abarten aus wärmern Klimaten, die bei uns nur unvollkommen reiften, auf diese Weise in Winterweizen umgewandelt.

Allein Linné und seine Nachfolger habon dem Winter- und Som- merweizen einen andern charakteristisch seyn sollenden Unterschied zuge- schrieben: jener soll begrannet, dieser unbegrannet seyn. Wären diese Grannen beständig, so wäre allerdings ein, die spezifische Absonderung hin- länglich begründendes Merkmal vorhanden. Aber Haller hat schon be- merkt, daſs die Grannen bei den Weizenarten nicht beständig seyen, und daſs dieselbe Weizenart Grannen bekomme und sie wieder verliere, wenn sie, von kaltem auf warmen, von bergigtem auf ebenen Boden verpflanzt wird. Ein Sommerweizen, den ich bei einem Freunde durchaus begrannet gesehen hatte, verlor bei mir schon im ersten Jahre die Grannen zum Theil, und wenn ich nicht sehr irre, kamen aus demselben Stamm begrannete und un- begrannete Aehren. In der dritten Generation fanden sich kaum noch Spu- ren von Grannen. Es war auf keine Weise wahrscheinlich, daſs dies von fremder Befruchtung herrühren konnte; denn weit und breit umher stand kein anderer Sommerweizen, und der Winterweizen, der doch auch nicht in der Nachbarschaft stand, hatte verblühet, wie mein Sommerweizen die Spelzen zu öffnen anfing. Und dann ist es ganz unrichtig, daſs der Som- merweizen immer Grannen, der Winterweizen keine habe; wir haben beide mit und ohne Grannen.

Botanisch ist also der Unterschied zwischen T. hybernum und aesti- vum völlig unbegründet, und es ist richtiger, beide Abarten unter einem Specialnahmen(T. cereale) 2u begreifen.

Die Abarten aber sind mannigfaltig verschieden, und es giebt einige, die nach den Regeln der Unveränderlichkeit, bei der Fortpflanzung durch samen, mit gröſserem Rechte als besondere Species betrachtet werden kön- nen, wie der Winter- und Sommerweizen,

In Ländern, wo der Weizenbau mit besonderer Sorgfalt betrieben wird, und wo man deshalb dieses Getreide auch auf Boden bringt, der ihm nicht sehr angemessen ist, hat man unzählige Abarten. In den englischen landwirthschaftlichen Schriftstellern habe ich über 150 verschiedene Namen

für Weizenarten gezählt. Aber bis die Landwirthschaftskunde mehr wissen-