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Ueber die Gesetze der Natur, welche der Landwirth bei der Veredlung seiner Hausthiere und Hervorbringung neuer Rassen beobachtet hat und befolgen muss / Von Herrn Thaer
(Vorgelesen den 11. Juni 1812)
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Thaer über die Abartungen der hultivirten Pflanzen. 15

bei der Abartung der Pflanzen wahrnehmen, gewiſs nicht unwichtig für die Pflanzen-Physiologie; für Landwirthschaft und Gärtnerei aber vom höch- sten Interesse. Wenn der Pflanzenkenner jedem Cryptogam aus entfernten Ländern seine Aufmerksamkeit schenkt und mit Recht schenken mag, so verdenke er es doch auch demjenigen nicht, der die Pflanzen, die uns so nahe stehen und uns ernäkren, mit gröſserer Aufmerksamkeit betrachtet, und leihe ihm dazu sein, auf feinere Merkmale mehr geschärftes, Auge. Es kommen hier vor allem die Cerealien in Betracht diese durch die Gröſse und Nahrungsfähigkeit ihrer Saamen so wichtig gewordene, und durch die Kultur so allgemein verbreitete Gräser. Unter ihnen steht der Weizen in ökonomischer Hinsicht oben an, wegen seines Reichthums an nährender und dem thierischen Körper besonders homogener Substanz. Unsern gewöhnlichen Weizen haben Linné und nach ihm die mei- sten Botaniker in zwei Species, Triticum aestivinn und hyberninn, unter- schieden; haben sich hierin aber wohl mehr von der gemeinen Meinung, als von genauerer Beobachtung deren sie eine so gemeine Pflanze nicht würdigten leiten lassen. Beide sind entschieden nur als Abarten, und zwar als leicht in einander übergehende Abarten, zu betrachten. Man säe Sommerweizen vor Winter; ist der Winter gelinde oder giebt er der Saat eine anhaltende Schneedecke, so wird der gröſste Theil der Pflanzen durch- kommen; sie werden dann aber um 14 Tage früher blühen und reifen, als der zugleich gesäete Winterweizen. In einem herberen, jedoch nicht allzu- strengen Winter, wird zwar ein groſser Theil der Pflanzen ausgehen, ein anderer Theil aber wird bleiben. Nimmt man von diesem den Samen, und säet ihn wieder vor Winter aus, so wird er schon besser durchwintern, und dann in seiner Blüthe und Reifungszeit dem Winterweizen weniger voreilen. In der dritten und vierten Generation unterscheidet er sich in keinem Stücke von dem Winterweizen, und hat mit selbigem gleiche Härte, gleiche Vege-

tationsperiode und gleiche Stärke der Körner. Dieselbe Umwandlung kann man

beim Winterweizen bewirken, wenn man ihn zum erstenmale recht früh im Frühjahre, und dann immer später säet. Die erste Saat wird erst im Herbst und zum Theil gar nicht reif; aber mit jeder Generation reift sie früher, bis dieser Weizen völlig die Natur und die kürzere Vegetationsperiode des Sommerweizens erhält. Säet man ihn zum erstenmale nicht sehr früh im März, sondern erst gegen Ende Aprils, so wird er freilich in dem Jahre nicht in Halme schieſsen, oder doch nur einen einzelnen in die Höhe trei-