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Ueber die Gesetze der Natur, welche der Landwirth bei der Veredlung seiner Hausthiere und Hervorbringung neuer Rassen beobachtet hat und befolgen muss / Von Herrn Thaer
(Vorgelesen den 11. Juni 1812)
Entstehung
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iiber Veredlung der Hausthiere. 11

erhalten suchen und auswählen. Vor allem ist diese Sorgfalt und Einsicht bei den Gestüten und bei der Veredlung der Landpferde durch Landgestüte von höchster Wichtigkeit. Man darf hier nicht bloſs auf die endliche Ein- führung und Bildung einer edlen Raſse Rücksicht nehmen, weil der Verlust zu grols seyn würde, wenn die in den ersten Generationen entstehenden Mulatten fehlerhaft und werthlos wären. Mangel dieser Einsicht und Ue- ber rlegung hat hier schon oft groſsen Nachtheil gestiftet, und bei den Un- terthanan einen groſsen Widerwillen gegen die ihnen aufgedrungenen Be- schäler edlerer Raſse erweckt. Es muſs hier Rücksicht auf die besondere Natur der in einer Gegend einheimischen Raſse, so wie auf ihre Weide und Verpflegung im Stalle genommen werden, wenn man einen angemessenen Hengst für sie auswählen will. Es wird hierzu eine seltene Erfahrung und Umsicht erfordert, die ich noch bei keinem Pferdekundigen in dem Grade angetroffen habe, wie bei meinem verstorbenen Freunde, dem vormaligen hannöverschen Landstallmeister Koch, welcher zuletzt als Universitätsstall- meister zu Erlangen angestellt war. Er wählte für die Stuten jeder Ge- gend, ein hohes Ziel vor Augen habend, manchmal Hengste aus, die ihnen nicht zu heterogen und gerade deshalb nicht von einer zu sehr veredelten Raſse waren, worüber manche Unverständige ihn tadelten. Erst ihrer Des- zendenz gab er Hengste von sogenanntem höheren Blute. Hierdurch be- wirkte er, daſs sich die Raſse allmählig veredelte, und zwar nach dem besonderen Ideale, welches er nach den örtlichen Verhältnissen jedes Di- strikts fiüir das zweckmäſsigste hielt, ohne daſs in den Mittelgenerationen unförmliche und wenig brauchbare Thiere erschienen. Er hatte sich hier- durch ein so groſses Zutrauen bei den Bauern erworben, daſs sie sich ihm ganz überlieſsen, und nie eine Unzufriedenheit mit den mehr oder minder schönen Hengsten äufserten, die er ihnen von einem Jahre zum andern zu- schickte, und manchmal besonders für die Stuten erster, zweiter und dritter Generation bestimmte. Die Pferdezucht ward dadurch in kurzer Zeit in de- nen Distrikten, die das Landgestüt mit Hengsten versorgte, auf eine un- glaubliche Weise gehoben, und es kamen schon die Saugfüllen in einen ho- hen Preis.

Man hat sehr häuſig die Bemerkung gemacht, daſs Thiere von sehr heterogener Raſse keine Neigung sich zu begatten haben, und dals diese Be- gattung, wenn sie dennoch bewirkt wird, oft unfruchtbar bleibe. Ist sie aber fruchtbar, so kommt, wie ich oben schon erwähnt habe, oft ein ver-

Physikal. Klasse 1812 1813. 0