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Ueber die Gesetze der Natur, welche der Landwirth bei der Veredlung seiner Hausthiere und Hervorbringung neuer Rassen beobachtet hat und befolgen muss / Von Herrn Thaer
(Vorgelesen den 11. Juni 1812)
Entstehung
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unstaltetes Geschöpf heraus. Insbesondere hat man letzteres bemerkt, wenn man, um die Gröſse zu erzwingen, groſse männliche Thiere mit kleinen weiblichen paart. Das Bespringen selbst kann schon nachtheilige Folgen haben, wegen der groſsen Schwere des Hengstes oder Stiers auf einer schwa- chen Stute oder Kuh. Da es indessen männliche Thiere von besonderer Stärke im Kreuze giebt, die sich beim Bespringen auf den Hinterbeinen hal- ten, ohne das weibliche Thier stark zu drücken, so geht es doch oft gut und ohne Störung des coitus ab. Allein der durch die Einwirkung des Va- ters zu vorzüglicher Gröſse disponirte Keim findet bei seiner Entwickelung in der Mutter nicht die angemessene Nahrung, seine Ausbildung wird folg- lich mangelhaft und seine Gestalt unproportionirt. So erkläre ich mir wenigstens die Sache. Es giebt dann zuvörderst eine schwere Geburt, worüber ich selbst eine empfindliche Belehrung erlitten habe. Auf meinen Vorschlag lieſs die vormalige hannöversche, zu solchen Zwecken reichlich dotirte Landwirthschaftsgesellschaft ostfriesische Zuchtstiere kommen, und vertheilte sie unter einige Dorfgemeinden, die bisher kleine Haidkühe, aber sehr gute Weiden für bessere Raſsen hatten. Sie nahmen solche mit Dank an, aber bei der ersten Kalbezeit kam die Klage, dals die Kühe äu- ſerst schwer gekalbt hätten und viele in der Geburt gestorben wären, mit

der Bitte, ihnen jene Stiere sogleich wieder abzunehmen. Die ungeschickte

und gewaltthätige Behandlung bei der Geburt war freilich zum Theil an

dem, Tode dieser Thiere Schuld, aber es waren doch hinlängliche Gründe vorhanden, ihnen diese groſsen Stiere zu nehmen, und sie mit neuen Kosten durch kleinere zu ersetzen. Geht die Geburt aber auch gut, so entsteht aus einem unverhältniſsmäſsig groſsen männlichen Thiere sehr häufig ein ungestaltetes junges. Dagegen findet man, insbesondere bei den Pferden, dals ein gegen die Stute verhãltniſsmäſsig kleinerer Hengst ein wohlgebilde- tes Füllen hervorbringe. Vorgedachte theoretische Erklärung mag richtig seyn oder nicht: es wird von allen erfahrenen und aufmerksamen Viehzüch- tern als ein ausgemachter Erfahrungssatz angenommen, daſs das mannliche Thier keine unverhältniſsmälsige Gröſse gegen das weibliche haben müsse, von Unverständigen aber wird sehr häuſig wegen der Sucht, den Viehschlag nur zu vergröſsern, dagegen gefehlt. Sie wählen nur zu häug Stiere und v/ idder nach der Gröſse und Schwere aus, und suchen sie durch starke Nah-

rung im ersten Jahre zu der möglichsten Grölse zu treiben-