6 Thaer 1.
Indessen giebt es unter den Individuen desselben Stammes oder der- selben Raſse einige, die sich in diesem oder jenem Stücke, in der Form oder in gewissen Qualitäten, besonders auszeichnen, und diese anfangs indi- viduelle Verschiedenheit erbt fort, insbesondere wenn ein männliches und weibliches Thier, welche sich auf eine gleiche Weise auszeichnen, ge- paart werden, und diese Paarung dann in derselben Familie, Wiederum mit Auswahl derjenigen Individuen, die den ausgezeichneten Charakter besitzen, konsequent fortgesetzt wird. Vorzüge und Fehler erben hier fort, und wenn man von der Begattung in derselben Familie Nachtheil verspürt hat, so war es nur in dem Falle, dalſs sie einige schlechte Qualitäten hatte, die sich dann immer verstärkten. Im Gegentheil vererbte man dadurch und ver- vollkommnete gute Qualitäten, und das vormals gefürchtete und vermie- dene Paaren in der nächsten Verwandtschaft ist in den neueren Zeiten von den glücklichsten Viehzüchtern mit besonderer Aufmerksam- keit angewandt worden, wenn sie eine gute Eigenschaft vererben und cine Raſse bilden wollten, die sich dadurch auszeichnete. Die Erfah- rung lehrt, daſs eine eminente Gröſse des Körpers, eine vorzügliche Aus- dauer des Athems beim Pferde, eine ungewöhnliche Milchergiebigkeit, aus- gezeichnete Feinheit und Vollheit der Wolle, auch besondere Eigenthüm- lichkeiten in den Verhältnissen des Gerippes, gich bei Individuen eines Stam- mes finden, und wenn diese ausgewählt zusammengebracht werden, sich in ihrer Deszendenz fortpflanzen. Ja, es scheint als ob die durch äuſsere, so-
gar mechanische Einwirkungen verursachten Gestaltungen, sich vererbten. ich habe in den Zeiten, wie schon mehrere Generationen hindurch unter den vornehmeren Ständen die Füſse der Frauen, zuw- eilen auch der Män- ner, durch sehr enge Schuhe und hohe Hacken von Kindheit auf verunstal- tet wurden, sehr bestimmt bemerkt, daſs fast alle Kinder in diesen vorneh- meren Ständen mit herab- und seitwärts, n nach dem groſsen Zchen zu, ge- bogenen kleinen Zehen, und mit widernatürlich herausgebogenem Tarsus ge- poren wurden, so daſs ich mich daran ein Damen nkind von einem Weiberkinde zu unterscheiden vermaſs! Ich habe nachher irgendwo eine ähnliche Be- merkung gelescn. Unter mehreren Beispielen von Thieren führe ich eins an, welches mir genau bekannt ist: einer jungen Kuh schwor im dritten Jahre ihr linkes Horn ab; wodurch? ist nicht bekannt. Sie hatte nachmals
drei Kälber, die auf derselben Seite nur lose an der Haut sitzende kleine
Kolben, keine Hörner bekamen. Ist vielleicht die Raſse von kolbi igtem,
—


