über Veredlung der Hausthiere. 5
Diese Veredlung bewirkt der Landwirth hauptsächlich auf zwei We- gen. Der eine ist: die Veredlung einer constanten Thierraſse in sich selbst; der andere: mittelst Durchkreuzung zweier verschiedenen Raſsen.
Der erste oder die Veredlung in sich selbst— von den Eng- ländern, die immer in dieser Angelegenheit unsre Méister bleiben müssén, breeding in and in genannt.— Wie die mehr oder minder auffallenden Verschiedenheiten derselben Thierarten, die wir Raſsen nennen, entstanden seyn mögen, liegt noch im Dunkeln. Erschuf die Natur nur ein gleichar- tiges Paar von Hunden, von dem Geschlechte des Rindviehs und von Scha- fen? und sind alle die Verschiedc neiten zwischen dem spitzohrigen Schä- ferhund, dem Dachshund, dem Windspiel und Pudel, dem Auer- Büuffel- und Hausochsen— die sich miteinander nachhaltig fruchtbar begatten— dem grobwolligen dickschwänzigen, wallachischen, russischen, und dem fein- wolligen Merino- oder leichtem gazellenartigen schottländischen Schafe, nur durch die Einwirkung des Klima, der verschiedenen Lebensart und Nah- rung entstanden?— Es läſst sich nicht bestimmen, welchen Einfluſs diese Umstände in der unabsehbaren Folge der Generationen in einem unenqdli- chen Zeitraume gehabt haben können; aber bemerkbar ist der Einfluſs die- ser Umstände auf die Abänderung des Wesentlichen einer Raſse nicht. Zwar erleiden diese Thiere eine anscheinende Ahänderung, wenn sie, auch ohne Einmischung fremden Bluts, in ein anderes Klima versetzt werden, oder eine andere Verpllegung und Nahrung erhalten. Aber die in den neueren Zei- ten mehr darauf gerichtete strengere Beobachtung hat gezeigt, daſs diese Abänderung nicht constant sey. Englische und schottische Thierarten, wel- che man in wärmern Ländern, in die heiſseste Zone brachte, zeigten in ih- rer Deszendenz eine merkliche Abänderung. Insbesondere bekam das Schaf eine gröbere, mehr haarigte und dünnere Wolle. Man brachte diese Thiere aber wieder nach England zurück; schon dieselben Individuen zeigten nach einem Jahre einiges Zurdokschlagen. ihre Deszendenz aber eine vollständige Rückkehr zu ihrer ursprünglichen Beschaffenheit. Das an reiche Fettwei- den gewohnte Niederungs- oder groſse Schweizervieh verkümmert bald auf mageren Weiden, und in seiner Deszendenz erkennt man kaum mehr sei- nen Stamm. Aber wenn er zurückgeführt wird auf reiche Weiden, oder kräftig genährt wird im Stalle, so kommt seine Progenitur allmählig wie- der zu der ursprünglichen Stärke und Gestalt seiner Voreltern.
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