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Ueber die Gesetze der Natur, welche der Landwirth bei der Veredlung seiner Hausthiere und Hervorbringung neuer Rassen beobachtet hat und befolgen muss / Von Herrn Thaer
(Vorgelesen den 11. Juni 1812)
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über Veredlung der Hausthiere. 3

verkennbar, so daſs es durchaus in allen Theilen und Eigenschaften mehr jenem als dieser, oder umgekehrt, gleicht. Es giebt einige Gründe, diesen Erfolg nicht bloſs dem Zufalle, sondern der gröſsern Energie, welche der eine oder der andere Theil im Zeugungsakte äuſserte, beizumessen. Gewilſs ist es, daſs man bei dem Züchten der meisten Hausthierarten bemerkt hat, daſs ein Hengst, ein Stier, ein Widder vor dem andern die Eigenschaft be- sitze, seine Aehnlichkeit prädominirend zu vererben. Bei den kostbaren Hengsten der englischen sogenannten Blutpferde wird der Werth und das Sprunggeld eines solchen erstaunlich erhöhet, wenn er in den Ruf kommt, daſs er vorzüglich gut vererbe, und dieser Werth steht dann im Verhält- niſs gegen den eines andern von übrigens bessern Qualitäten so hoch, dals man es sich, ohne diesen Umstand zu kennen, nicht erklären kann. Dage- gen giebt es aber auch weibliche Thiere, deren Progenitur ihnen so ähn- lich bleibt, daſs man die Einwirkung des männlichen kaum bemerkt. Manch- mal aber bemerkt man auch, daſs wenn dieselben Thiere eine Reihe von Jahren hindurch gepaart werden, das Junge zuweilen sehr auffallend nur dem Vater, zuweilen nur der Mutter gleiche: eine Bemerkung, die auch bei dem Menschengeschlecht in den Ehen sehr hãufig gemacht wird. In jenem Falle kann man also wohl eine durchaus überwiegende Kraft, im letzteren nur eine, in dem besonderen Zeugungsakte mehr oder minder an- gespannte, annehmen. Bei Hengsten, Stieren und Widdern, die überhaupt, und vorzüglich wenn sie zum Zeugungsakte gelassen werden sollen, ein vorzügliches Feuer äuſsern, erwartet man die Vererbung der väterlichen Ei- genschaften am meisten, und macht es sich daher zur Regel, ein solches feuriges Thier zum Stammvater des Viehstapels auszuwählen, wenn man zugleich seine übrigen Qualitäten fortzupflanzen wünscht. Indessen hat man auch Beispiele, wo dieser Anschein und diese Erwartung sehr trog.

Eine sehr auffallende aber zuverlässige Bemerkung ist die, daſs wenn ein Thier der ersten Generation auch seinem Vater oder seiner Mutter durchaus nicht gleicht, in seiner Progenitur oder in der dritten Generation dennoch das ganz verwischte Bild jenes Groſsvaters oder Groſsmutter wie- der hervorkomme; selbst dann, wenn die Paarung der zweiten Generation zwischen zwei Individuen geschehen ist, die aus derselben Paarung entstan- den, und die beide mit ihrem Vater oder Mutter nichts Aehnliches hatten. Man bemerkt das Wiedererscheinen der groſsväterlichen oder groſsmütterli- chen Physionomie auch bei den Menschen sehr häufig, wenn sie beim Va-

Physik. Klasse 1812 1813. B