Teil eines Werkes 
2. Bandes 1. Abtheilung (1839) Specielle Pflanzenproductionslehre
Entstehung
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Man hat zwar mancherlei Surrogate verſucht und empfohlen, darunter namentlich die Blätter der Schwarzwurzel, des Kopfſalats, Leindotters ꝛc.; es kann damit auch den Raupen nöthigenfalls eine Zeitlang das Leben gefriſtet werden; allein bis jetzt iſt kein Surro⸗ gat aufgefunden worden, mittelſt deſſen die Seidenzucht mit gleich glücklichem Erfolge, wie mit Maulbeerlaub hätte zu Stand gebracht werden können.

§: 748. Das Vaterland des Seidenbaus iſt China; von da verbreitete er ſich nach andern Ländern Aſiens; aus

dieſen nach Griechenland, Italien und von da nach dem

ſuͤdlichen Frankreich ꝛc., ſo wie auch endlich nach Deutſchland.

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ward er in Preußen, Würtemberg, Baiern ꝛc. eingeführt.

§. 749. Obgleich die Seidenzucht noch nirgends in Deutſchland eine groͤßere Bedeutung gewonnen hat, und der Aufſchwung, den ſie im vorigen Jahrhundert eine Zeit lang genommen hatte, beinahe gänzlich wieder verſchwunden war, ſo daß, unerachtet der Bemuͤhungen mehrerer Regierungen und Geſellſchaften ſeit den letzten 20 Jahren, der Glanz⸗ punkt der deutſchen Seidenzucht in den 1780r Jahren noch nicht wieder erreicht iſt; ſo iſt doch zur Genüge bewieſen, daß der Maulbeerbaum in den gemäßigteren climatiſchen Lagen Deutſchlands recht gut gedeiht, und daß überall da, wo der Maulbeerbaum fortkömmt, auch die Seidenraupen⸗ zucht mit Erfolg getrieben werden kann.

§. 750. Es verdient deßhalb dieſer für andere Länder, in denen er bereits Ausbreitung genommen hat, ſo wichtige Culturzweig auch in Deutſchland die größte Aufmerkſamkeit, und jeder, welcher in der Lage iſt, es thun zu koͤnnen, ſollte die Pflanzung von Maulbeerbaͤumen verſuchen, um dann in der Folge Verſuche mit dem Seidenbau ſelbſt machen zu koͤnnen.

Insbeſondere ſollten Gemeinden, in denen es viele Arme gibt, denen es an Verdienſt fehlt, ernſtlich auf die Einführung der Seiden⸗ zucht Bedacht nehmen.

§. 751. Wie weit ſich der Seidenbau fuͤr den deutſchen Landwirth lohnend erweiſen dürfte, welcher in der Lage iſt,