— 302—
hengſte von kleinem Schlage und große Eſelinen wählt, jenen vorher roſſige Pferdeſtuten vorführt und dann die Begattung in dunklem Raume vollziehen läßt.
§. 688. Von den auf dieſe Weiſe gehoͤrig bedeckten Pferdeſtuten werden im Durchſchnitt eben ſo viele traͤchtig, als bei der eigentlichen Pferdezucht; dagegen verwerfen die mit Maulthierfullen traͤchtigen Pferdeſtuten leichter, als nach einer dem freien Naturtriebe überlaſſen geweſenen Paa⸗ rung. Sie müſſen deßhalb waͤhrend der Träͤchtigkeit ſehr ſchonend behandelt werden.
Die Dauer der Trächtigkeit, die Geburt ꝛc. verhält ſi ſi 2 wie bei den Pferden.
§. 689. Die jungen Maulthiere werden ähnlich wie
Pferdefuͤllen, jedoch mit weniger werthvollem Futterauf⸗
wande aufgezogen, und vom drirten Jahre an in Gebrauch genommen. Als Nahrungsbedarf kann man fuͤr zur Arbeit dienende Maulthiere ohngefähr eine ſtarke halbe Pferds⸗ ration rechnen(ſ.§. 557).
§. 690. In Spanien, Portugall und Italien, theil⸗ weiſe auch im ſuͤdlichen Frankreich, werden die Maulthiere als Zug⸗ und Laſtthiere häufig gebraucht und hoͤher, als Pferde geſchätzt, auch theurer als gewoͤhnliche Pferde be⸗ zahlt. Gewiß könnten ſie auf dem leichteren Boden auch bei uns mit entſchiedenem Vortheile als landwirthſchaftliche Zugthiere dienen; die Zucht iſt aber in Deutſchland theils zu wenig bekannt, theils zu ſchwierig, und deßhalb ſind hier nur ſehr ſelten gute Maulthiere zu haben, und höͤch⸗ ſtens trifft man auf einigen landesherrlichen und Privat⸗ Geſtuͤten eine kleine Maulthierzucht als Curioſitaͤt.
Vielleicht iſt auch unſer kälteres Clima der Maulthierzucht, im Vergleiche mit der in Portugall, Spanien ꝛc., weniger günſtig.
Der Mauleſel iſt kleiner, unanſehnlicher und hat weniger Werth als das Maulthier; ein großer Eſel leiſtet denfelden Dienſt; weßhalb auch die Zucht des Mauleſels weit weniger der Empfehlung verdient, als die des Maulthieres.


