Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1811) Von den landwirthschaftlichen Verhältnissen (Fortsetzung) : Agronomie, oder die Lehre von den Bestandtheile, physischen Eigenschaften, der Beurtheilung und Werthschätzung des Bodens : Agrikultur
Entstehung
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Mineraliſche Duͤngungsmittel. 183

eins nie auf das andere zu warten braucht. Dies Verhaͤltniß iſt nach der Entfernung verſchie⸗ den, wohin der Mergel abgefahren wird, wiederum nach der Tiefe, aus welcher er her⸗ vorgeholt werden muß, nach ſeiner Zaͤhigkeit, nach der Witterung, und oft nach dem Waſeer, welches ſich in der Grube ſammelt. Es muß ſo eingerichtet werden, daß immer ein Fuhrwerk zum Laden in der Grube bereit ſtehe, aber auch nicht zu warten brauche, um voll geladen zu werden. Es duͤrfen fuͤr die Lader wenigſtens nur ſo lange Pauſen eintreten, als noͤthig ſind den Mergel loszuhacken, oder ihn aus einer groͤßern Tiefe herauf zu werfen. Geht die Arbeit ſchnell, ſo muͤſſen beſondere Hacker und beſondere Lader da ſeyn.

Wenn die Entfernung groͤßer iſt, ſo kann natuͤrlich jedes Fuhrwerk nicht ſo ſchnell wieder zuruͤckkehren, als wenn in der Naͤhe abgeſtoßen wird. Es muß ſich alſo das Verhaͤltniß des Fuhrwerks zu den Arbeiten darnach vermehren oder vermindern, welches ſich leicht bei Beob⸗ achtung der Lokalitaͤt beſtimmen laͤßt. Kann man bei derſelben Zahl der Handarbeiter an ei⸗ nem Tage mehr Geſpann geben, ſo faͤhrt man weiter ab; kann man weniger geben, dann naͤ⸗ her der Mergelgrube. Und ſo auch umgekehrt, wenn man mehr oder weniger Handarbeiter hat.

§. 67.

Bei der Verdingung der Arbeit pflegt man manchmal das Abfahren, wozu man jedoch Loſten und Ze⸗ Erſteres geſchieht, wenn deit. s der Uu⸗

die Pferde und das Fuhrwerk giebt, mit einzuſchließen oder nicht. man beſondere Pferde und Karren zum Mergel⸗ und Modderfahren angeſchafft hat, wozu man dann ſolche Pferde zu nehmen pflegt, an denen nicht viel zu verderben iſt. Wenn die weiteſte Entfernung nicht uͤber 70 bis 80 Ruthen iſt, ſo bezahlt man fuͤr ein Fuder, welches etwa 18 Kubikfuß haͤlt, in Holſtein Schilling oder 9 Pfennige ſchwer Geld. Hat man aber Knechte oder beſondere Fuͤhrer bey den Pferden, ſo bezahlt man fuͤr das Laden eines Fuders 6 bis 7 Pfennige. Ich gebe hier fuͤr ein ſolches Fuder zu laden einen ſchlechten Groſchen, welches we⸗ nig mehr als einen Schilling ſchwer Geld macht. Es verſteht ſich aber, daß alsdann beim Loshauen und Laden keine beſondere Schwierigkeiten ſich finden duͤrfen, und daß der Mergel nicht aus der Tiefe heraufgeworfen zu werden brauche, ehe er auf den Wagen geladen wird. So richtet man es ein, wenn man Ackergeſpann bei muͤßigen Zeiten zum Mergelfahren nimmt, welches man den Arbeitern nicht uͤbergeben will, und wozu man auch Knechte hat.

Ob es rathſamer ſey, beſondere Pferde darauf zu halten, oder das Ackergeſpann in muͤßi⸗ gen Zeiten damit zu beſchaͤftigen, haͤngt ganz von Lokalverhaͤltniſſen ab. Will man die Sache bis zu einer beſtimmten Ausdehnung betreiben, ſo iſt erſteres faſt unumgaͤnglich noͤthig. Denn ſonſt richtet ſich der Fortſchritt der Arbeit nur nach der Muße, die die Pferde und zugleich die gewoͤhnlichen Arbeiter haben. Haͤlt man beſondere Mergel⸗Pferde, ſo muß man auch beſon⸗ dere Arbeiter zu dieſem Geſchaͤfte anſtellen.

Nach den Pferden richtet ſich auch in den meiſten Faͤllen wohl das Fuhrwerk. Bei eige⸗ nen Mergel⸗Pferden ſind einſpaͤnnige Steigkarren ohne Zweifel am rathſamſten, und die mit dieſer Arbeit immer beſchaͤftigten Pferde gewoͤhnen ſich leicht ſo, daß bei zwei oder drei Karren nur ein Treiber zu ſeyn braucht. Das Umſtuͤrzen der Karren thun dann die Leute, welche mit dem Ausſtreuen zugleich beſchaͤftigt ſind. Nimmt man aber Ackerpferde, ſo iſt ein zweiſpaͤnni⸗ ger Wagen vorzuziehen. Zu vierſpaͤnnigen Zuͤgen rathe ich nicht, wenn der Weg nicht ſehr weit und ſchwierig iſt. Auf kurzen Wegen ziehen zwei Pferde faſt eben ſo viel als vier. Mit dieſen habe ich hoͤchſtens Ladungen von 25 Kubikfuß erreicht, mit jenen rs bis 19 in der Re⸗ gel fahren laſſen. Der Kubikfuß wiegt in ſeinem gewoͤhnlichen Feuchtigkeitszuſtande 9o bis 94 Pfund.