Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1811) Von den landwirthschaftlichen Verhältnissen (Fortsetzung) : Agronomie, oder die Lehre von den Bestandtheile, physischen Eigenschaften, der Beurtheilung und Werthschätzung des Bodens : Agrikultur
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19us8 Mineraliſhe Düngungsmttttltl.

das Verhaͤltniß und die Zeit mit Nuͤckſicht auf den Boden, ſeinen jedesmaligen Zuſtand und ſeine abgetragenen Fruͤchte, richtig treffe. In verſchiedenen Gegenden ſcheint man ſich hieruͤber in der That Regeln gemacht zu haben, die aber nur auf dunkeln empiriſchen Begriffen beruhen. Auf eine rationelle Weiſe laͤßt ſich bis jetzt noch nicht mehr daruͤber ſagen, als in dem Vorſtte henden gelegentlich angedeutet iſt, weil es uns noch an beſtimmten Erfahrungen und genaeen Verſuchen fehlt. Indeſſen duͤrfen wir hoffen, daß bei einer mehr rationellen Anſicht und dahtnm gerichteten Aufmerkſamkeit ſich ſolcher rationellen Erfahrungen(sit venia verbo) bald mehrere ati ergeben werden, damit wir durch den Gebrauch aller in Haͤnden habenden Mittel die Kraͤfte und Stoffe der Natur aufs Beſte benutzen, und zu ihrem hoͤchſten Zwecke Vermehrung des Lebens und des Lebensgenuſſes verwenden lernen. In wiefern auch beſondere Duͤngungsmittel gewiſſen Pflanzen zuſagen, und dieſen in Hin⸗ ſicht der Quantitaͤt ihrer Produktion ſowohl als ihrer gewuͤnſchten Qualitaͤten beſonders zutraͤg⸗ lich ſind, daruͤber duͤrfen wir bald mehrere Erfahrungen erwarten, nachdem Nau, Reiſſert und Seitz, Annalen des Ackerbaues, Bd. X., S. 210, die Bahn hierzu gebrochen haben. Was daruͤber bisher bemerkt worden, wird in der Lehre von der Produktion einzelner Fruͤchte vorgetragen werden.

2

3§. 98.. Der Landwirth, dem die ungewoͤhnlichern Duͤngungsmittel zu Gebote ſtehen, und der ſie gehoͤrig zu gebrauchen weiß, wird von manchen Regeln, die ein anderer, der ſie nicht vor⸗ theilhaft erhalten und anwenden kann, beobachten muß, abgehen koͤnnen. Er kann mit ihrer Huͤlfe ein anderes Feldſyſtem, eine andere Fruchtfolge, eine ſogenannte freie Wirthſchaft de⸗ treiben, welche ſeinen uͤbrigen Verhaͤltniſſen angemeſſener iſt, als die, welche er ohne ſolche nicht ſelbſt produzirte Duͤngungsmittel befolgen muͤßte Reicher Modder macht einen Theil de Miſtduͤngung und dann vielleicht des Futterbaues entbehrlich, durch Gyps wird auch bei flacher Beackerung dem natuͤrlich reichen Boden die Kraft Klee zu produziren laͤnger erhalten des ſtaͤdtiſchen Duͤngers und der Abfaͤlle von Manufakturen nicht zu gedenken, Dagegen muß man ſich aber nicht verleiten laſſen, das Verfahren derjenigen, die ſolche Duͤngungsmittel reichlich anwenden, und einen glaͤnzenden Erfolg darſtellen, den ſie nicht ſel⸗ ten andern Prozeduren beimeſſen zur Norm zu nehmen, wenn man ihnen im Gebrauch die⸗ ſer Duͤngungsmittel nicht nachahmen kann.