Teil eines Werkes 
Zweyter Theil, zweyte Abtheilung (1825)
Entstehung
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IV
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IV Gelegenheit gehabt; theils habe ich, um dieſes Werk ſo voll⸗ ſtändig als möglich zu machen, die Erfahrungen anderer be⸗ währter Männer dazu benutzt. Da aber das Schaf als Hausthier, bey einer ſeiner Natur widerſtrebenden Behand⸗ lung, ſehr mannigfaltigen Krankheiten unterliegt, ſo will ich hier im Allgemeinen noch Folgendes erinnern:

Das Waſſer, und die Näſſe überhaupt, kann bey ei⸗ nem unvorſichtigen Verfahren den Grund zu den gefährlich⸗ ſten Krankheiten legen. Erhitzung iſt gleichfalls den Schafen aus mancherley Urſachen ſehr ſchädlich, und wenn ſie z. B. er hitzt zur Tränke kommen, ſo wird der Grund zur Fäule und zu andern Krankheiten gelegt.

Bey ſtarker Hitze wird man immer wohl thun und vorſichtig handeln, etwas Kupferwaſſer in die Tränktröge zu miſchen, da⸗ mit die Schafe nicht zu ſtark ſaufen, und weil die Schnelligkeit des Blutumlaufs dadurch gemildert, und ihr Durſt gelöſcht wird.

Jede Näſſe, beſonders aber kalte Näſſe, iſt eine ge fährliche Feindinn der Schafe, und die Erfahrung lehrt, daß ſie dadurch ſehr angegriffen und geſchwächt werden. Über haupt iſt die Organiſation des Schafes ſehr ſchwach, und zu waſſerſüchtigen Zufällen außerordentlich geneigt; daher es ſelten gelingt, eingeriſſenen Krankheiten curativ Gränzen zu ſetzen. Eher gelingt es präſervativ, durch rege Aufmerkſam⸗ keit und entſprechendes Verhalten, der völligen Ausbildung des Krankheitszuſtandes entgegen zu wirken; daher wird es unerläßlich, jedes crepirte Schaf zu öffnen, um ſeinen innern Zuſtand zu prüfen, ob es Andeutungen gibt, daß ſich in der Herde ein allgemeiner Krankheitszuſtand bilde. So wie gut genährte Schafe ſehr große Kälte ertragen können, ſo wer⸗ den im Gegentheile ſchlecht genährte dadurch ſehr angegriffen, leicht ſchwach und krank.