Teil eines Werkes 
2,2 (1840) Darstellung der Landwirthschaft Grossbritanniens in ihrem gegenwaertigen Zustande. 2,2
Entstehung
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Winterſtallfuͤtterung des Rindviehs. 393

ſetzen, damit ſie ohne Maaß ihr Verlangen danach befriedigen koͤnnen*) Wird dabei ihre Haut gereinigt, ſo verurſacht ihnen ſolches ein ſichtbares Wohlbehagen. Sobald ſie naͤmlich anfangen fett zu werden, ſchuppt ſich die alte Oberhaut ab, und wenn man dies durch die Striegel zu befoͤrdern ſucht, wird dieſe Muͤhe durch das beſſere Anſehn des Viehs reichlich verguͤtet.

Die verhaͤltnißmaͤßige Futtermenge, welche ein Maſtrind ver zehrt, haͤngt nicht blos von deſſen Groͤße und Art ab, ſondern auch von der Befchaffenheit des ihm dargereichten Futters; denn ſeine Gewichtszunahme entſteht weniger von der Menge, als von der Guͤte des ihm Gegebenen. Von allen Pflanzenprodukten verbeſſert keine das Fleiſch des Maſtviehs in dem Grade, wie gutes Heu; fruͤher wurde auch nichts, als ſolches dazu benutzt. Spaͤterhin wendete man jedoch viel Oelkuchen nebenbei zur Maſtung mit an, und in den neueren Zeiten, wo die Fleiſchkonſumtion immer ſtaͤrker wurde, und bei den immer mehr ſich ausbreitenden Verbeſſerungen der Landwirthſchaft der Anbau von Futtergewaͤchſen auf dem Felde immer bedeutender wird, nimmt man auch mehr Wurzel- und Knollengewaͤchſe bei der Maſtung vielfaͤltig mit zur Hilfe. Kartoffeln, Runkeln, Moͤhren, Paſtinaken, Kohl und Tur nips aller Art werden in Menge dazu verwendet, und in unſern großen Brennereien auch mit dem Spuͤlicht viel Ochſen gemaͤſtet**).

*) Bei einem von John Sinclair angeſtellten Verſuche ward ein alter Mann beauftragt, Acht zu geben, wie oft auf einem Wirthſchaftshofe ſtehendes und daſelbſt mit Stroh und Spreu gefuͤttertes Rindvieh waͤhrend eines kurzen Wintertages zu dem Traͤnktroge gehe, und um in ſeinen Beobachtungen nicht irre geleitet zu werden, ihm ein beſtimmter Ochſe bezeichnet, den er vorzugs⸗ weiſe ins Auge faſſen ſollte. Es fand ſich dabei, daß dieſer achtmal des Ta⸗ ges ſoff, und der Mann war uͤberzeugt, daß die uͤbrigen Stuͤcke eben ſo oft wie der bezeichnete Ochſe tranken. Dies zeigt deutlich, daß die Thiere ihr Beduͤrfniß nach Waſſer nicht vollkommen befriedigen koöͤnnen, wenn man ihnen daſſelbe nicht reichlich und nur zweimal des Tages, wie es haͤufig geſchieht, vorſetzt.

**) Die HH. Smith und Harington zu Breatfort maͤſteten in einem Jahre 810 Ochſen mit dem Spuͤlicht von 25,750 Quartern Gerſte, und jedes dieſer Thiere nahm davon in zwanzig Wochen durchſchnittlich 35 Stein an Gewicht zu. Bringt man davon 5 Steine als das Produkt des Heus, das ſie nebenbei verzehrten, in Abzug, ſo bleiben 24,300 Steine Fleiſch dem Spuͤ⸗ licht zu berechnen. Es kaͤme ſonach auf den Abfall von einem Quarter Gerſte ziemlich 1 Stein Fleiſch, beinahe doppelt ſo viel, als ſein Preis betraͤgt. Dieſelben maͤſteten aber auch 250 Ochſen mit dem Spulicht einer Zucker⸗