Von der Sommerſtallfuͤtterung des Rindviehs. 377
wenn dieſe ſchon erfolgt, nur deſſen Reife noch nicht eingetreten iſt, man muß nur das allenfalls Entnommene durch eine ange⸗ meſſene Menge Duͤnger wieder zu erſetzen ſuchen. Auf duͤrftigem Boden und bei unterlaſſener Duͤngung mag indeſſen eine Er— ſchoͤpfung ſtatt finden, wenn man das Gras vor dem Maͤhen zur Saamenbildung kommen laͤßt; auch iſt nicht zu verkennen, daß es manche augenſcheinlich vortheilhafte Einrichtungen in der Land— wirthſchaft gibt, die nicht auf allen Bodenarten und in allen Lagen mit Erfolg anzuwenden ſind. Wenn der Boden indeſſen nur von mittelmaͤßiger Guͤte iſt, ergibt ſich bei der gruͤnen Stall— fuͤtterung eine große Erſparung von Gras und eine bedeutende Vermehrung des Miſtes. Was nun die Geſundheit des Viehs anbelangt, ſo laͤßt ſich allerdings nicht leugnen, daß die Thiere muntrer und ruͤſtiger zu ſein ſcheinen, wenn ſie ſich im Sommer auf der Weide befinden, als wenn ſie auf dem Hofe ſtehen; allein des Landwirths Abſicht geht darauf hinaus, die moͤglich groͤßte Menge Fleiſch auf den Thieren mit den moͤglich geringſten Koſten zu erzeugen, und dies iſt nach unſerer Meinung bei der gruͤnen Stallfuͤtterung am ſicherſten zu erreichen. Die Vortheile der Stallfuͤtterung im Winter mit ſaftigen Futtergewaͤchſen haben ſich in allen gutgefuͤhrten Wirthſchaften, wo man ſie verſuchte, be— waͤhrt, und wuͤrde ſie im Sommer eben ſo ſorgſam mit Gras, Klee und anderen derartigen angebauten Futterkraͤutern vorge— nommen, ſo wuͤrde ſie ſich vielleicht eben ſo vortheilhaft erweiſen und zwar aus folgenden Gruͤnden:
1) Bei dem Weiden werden eine Menge Pflanzen durch den Fußtritt, das Niederlegen, das Harnen und Miſten des Viehs verdorben und fuͤr dieſes ungenießbar gemacht. Dazu kommt noch, daß bekanntlich manche der beſten Graͤſer, die im jugendlichen Zuſtande das Vieh ſehr liebt, dieſem zuwider ſind und von ihm nur vom groͤßten Hunger ange— trieben gefreſſen werden, ſobald ſie alt geworden und zum Saamenanſatz gekommen ſind, und daß auf jeder Weide ſtets mehre ſo lange ſtehen bleiben, dadurch aber fuͤr den Viehmaͤſter ein großer Verluſt hervorgeht. Dies ereignet ſich nie, ſobald man ſie in einem paſſenden Zuſtande der Ausbildung abmaͤht. Es iſt auch erwieſen, daß das Vieh bei der Stallfuͤtterung manches ſchlechte Gras und Unkraut mit verzehrt, das es bei dem Weiden verſchmaͤht; ferner hat man bemerkt, daß das Gruͤnfutter, welches von der


