Teil eines Werkes 
2 (1806) Die Nazional-Oekonomie. 2
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

Außer den streng-philosophischen und strengökonomisti schen Wissenschaften, wohin z. B. selbst die Rechts⸗Kennt⸗ niß, die Heilkunde u s. w. gehören, schließt das reine Prinzip der Nazional-Oekonomie selbst die idealisirende Poesie ein, die unsre geistige und sinnliche Genüsse erhöht, und vermannichfaltigt, unsre Freuden apotheosirt, unsre Kümmernisse mildert. Daher haben Regenten und Nazio⸗ nen, wie die Barden, die Minnesänger u. s. w. beweisen, zu allen Zeiten Dichter als nützliche Staats-Glieder, oft selbst. als nothwendige Staats-Diener betrachtet.

210.

Die Künste sind nächst den Wissenschaften die vorzüh⸗ lichste Gattung der industriellen Produrzion. Ihre wesent⸗ liche Eigenschaft ist: Veredlung des Produkt⸗Stoffs, nicht aber ihre ausschließende; denn auch Fabrikazion und Manufaktur veredelt.

Es wird daher schwer seyn, für die Kunst in Nazio⸗ nal-Oekonomistischer Bedeutung einen schneidenden, sie von der Fabrikazion und Manufaktur genau abschattenden Begriff auf⸗ zufinden. Man müßte denn ihn einzig in der Vollen⸗ dung des Produkts suchen.

Auch gewöhnliche mechanische Arbeiten können sich zu Kunst-⸗Produkten erheben. Ein Tisch, ein Schrank kann voil dem Tischler, ein Schloß von dem Schlosser u. s. w. in einem so hohen Grade von Vollkommenheit gefertigt werden, daß sie als Kunst-Produkte erscheinen.

Nachdenken, Studium, Genie kann nicht als eine karakteristische Eigenschaft der Kunst angenommen werden, denn der Manufakturist kann auch ohne jene Eigenschaften, durch Fleiß und Uebung, seinem Produkte den Grad von Vollendung geben, der es zum Kunstwerke stempelt.