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Über den Dünger, zugleich aber auch über das Unwesen dabey in Deutschland, besonders in der Haupt- und Residenzstadt München und ganz Baiern ... / von Hazzi. Vorgetr. i. d. öff. Vers. d. landwirthsch. Vereins in München. M. e. Beil. über die Hornviehstallungen d. kgl. würt. Versuchs-Lehranst. zu Hohenheim ... von ... Schwerz
Entstehung
Seite
15-16
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12 Argen, daß ihr Gedeihen oder die Fruchtbarkeit in dem Grade zunimmt, als der Dünger vermehrt und auch verbeſſert iſt, Die älteſten Volker baben daher den Dünger gleig der Sonne als eine Gottheit verehrt, und wirklich ſind auch dieſe zwei== die Haupttrieb- Räder alles Wachſens, alles Lebens auf der Erde, So ward in China, als dem erſten und Hauptlande der Landwirthſchaft, der Dünger von jeher als die vor- züglichſte Waare angeſehen, und wie ein Handlungsartikel mühſam zugerichtet und verFauſt. Unter allen Formen erhält man da dieſe Waaren, um Felder und Gärten damit zu beſruchten*). Uuch die Römer erkannten nur zu ſehr die Wahrheit, daß der Dünger als die Seele des ganzen UFerbaues gelte, und daher die größte Uuf- merkfſamfeit verdiene, In dieſem Geiſte ſpreH<en meh-

Im Zellgewebe der Wurzel, Rinde und Blätter en- den, und auf dieſem Wege die Nahrungsſtoffe aufz nehmen. Das Wurzelgewebe ſtellt alſo gleichſam den Schlund und Magen der Thiere, und der Boden die Speiſekammer vor, Und um die Pflanzen mit gehd- riger Luft zu verſehen, ſind Luftröhren in unendli- chem Geflete bis ins Innerſte vertheilt. Zu die- ſem Ende hält au< die Umkleidung der Pflanze oder die Ninde dem Lichte und der Luft die Mündungen der Saft- und Luftröhren offen. Die äußere Rinde iſt daher durchſichtig, die zweite umfaßt das Zellgewebe Der Ninde, oder ibrea mit unzähligen Gefäßen durch» webten Theil, und die dritte härtere Bede>ung nd- hert ſich mehr der Natur des Holzes. Einen wichti- gen Gegenſtand maden noch die Blätter aus. Sie dienen den Pflanzen, um ihrein oberen Theile eine größere Oberfläche zu geben, ſohin eine größere Men- ge Waſſer und Luft in ſich zu ſaugen. Sie müſſen aiſo in etwas die thieriſche Lunge erſehen, weßwegen die Lunge der Thiere dem vegetabiliſchen Blatte auch nachgebildet iſt. Daher begreift ſim, warum das Le- ben der Pflaazen mit dem Verluſte der Blätter ent- weder in den Scheintod(des Winters), oder in den Wirklichen hinabſinkt. Die Fortyflanzungsorgane aber, vder die männlicgen und weiblichen Geſchlec<tstheile der Pflanzen befinden ſich ia den Blumen. In dieſen geht die Befruchtung vor ſih. Darin iſt auch die Feinſte vegetabiliſme Muskelfraft bewahrt, wie ihr Schließen und Ocffnen bei dem Wechſel des Lichtee, der Finſterniß, des Regens und des Windes beweis» ſet. Na der Befruchtung fiirbt die Vlume nach und nad ab. Alſo das Obenbemerkte iſt erwieſen, das der Hauptentwiklungs- und Ernährungs- Prozeß der Pftanzen im Boden vor ſich geht, und von außen durch Licht, Luft und Feuchtigkeit unterſtüßt wird.

>) Die Sorgfalt, die in China und Japan auf das Dün»- gerſammein aller Art gerichtet iſt, überſteigt allen Blauben.'Man erſigunt z. B. wie da jeder Barbier das gebrauchte Bartſeifenwaſſer zum Düngergebrauch auf die ſorgfältigſte Weiſe bewahrt und verkauft; zud[9 durch alle Gewerbe dur<h,

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rere Schriftſteller dex Ulten, als Cato, Columellga, Theophraſt, Plinius, Cäſar, Palladius tc,

Die neuern Bölker waren freilich in ibrem Nomaden- Zuſtande ganz unwiſſend hierüber, und ſind es zum Theil wohl noch. Nur in den Niederlanden, wo zuerſt die wahre Landwirthſchaft erwachte, und zu Grundſäßen fich bil- dete, ward auch über den Dünger, wie in der Finſter- niß, das Liht., Swerz ſagt daher*):die Ulten kleideten befanntliM die ganze Religion in allegoriſche Bilder, die vorzüglich auf den Uckerbau anſpielten. Der Miſt ſogar behauptete den Rang einer Gottheit== Pilumpus, Sterquilinium, Stercutivs-. Wenn ihm eine ſolMe Verehrung gebührt, ſo gehört den Flamlän- dern unſtreitig die Würde ſeines Prieſterthums, oder zum wenigſten das Prädikat ſeiner eifrigſten Verehrer.

Die niederländiſchen Bauern heißen wirklizg den Düngerhaufen allgemein ihren petit bon Dieu(ihren klei- nen Herrgott). Uuf den Dünger gründet ſich auch allein die ſo große Kultur dieſes Landes. Urth, Young äußerte auf ſeiner Reiſe durch Frankreich bei jeder Ge- legenheitdie Urſache, warum Elſaß und die übrigen fo ſchönen Provinzen Frankreichs nicht ſo gut bebaut, ſo fruchterzeugend ſind, wie Flandern, liegt im Man- gel des Düngers; eigentlich die Vernachläßigung da- von trägt allein die große unverzeihlihe Schuld,'' Wie ſehr iſt dieſe Wahrheit erſt auf Deutſhland== Baiern anwendbar!!

Aber was geſchieht denn hierüber in den Nieder- landen? Untwort=- Ulle?.== Es beſieht da bei je- dem Bürger, Landwirtb, ſelbſt bei Kindern ſchon die helle Kenntniß, daß alle Ubfälle, alle Verweſungen und Exkre- mente von Thieren, Menſchen und Pflanzen den für Ucker- bau und Gartenweſen ſo nöthigen Dünger ſchaffen, daß mit ihrer fleißigten Sammlung die Erde allein frucht- bar gemacht, und nebſt dieſem Gewinn auch die Rein- licmfeit in Städten, FleFen, Dörfern, in den Häuſern, Ställen wie in den Straßen und Gaſſen erzielt, zu- gleich vie Geſundheit für Menſchen und Vieh, ja ſelbſt die Geſittung der Menſchen beſördert wird. Das Düngerſammeln iſt da ein eigenes großes Gewerbe, gleich andern Handelſchaften. Es wird im Kleinen durc< meh- rere Menſchenklaſſen und nach verſchiedenen Ubftufun- gen der Unödehnung betrieben, ſv, daß jede Ubtbeilung

*) In ſeinem ſchönen Werke=- Anleitung zur Kenntniß der belgiſc<en Landwirthſchsft> Halle 1807,