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I. Aeußere Geſtalt.
A. Regelmaͤßige. B. Beſondere. C. Gemeine.
A. Regelmaͤßige aͤußere Geſtalten, Kryſtalle.
§. 11. Auch in der unorganiſchen Materie iſt ein Stre⸗ ben nach Geſtaltung vorhanden, welches dem aufmerkſamen Beobachter vielfaͤlttig begegnet. Die regelmaͤßigſten Gebilde dieſes Geſtaltungstriebes im unorganiſchen Reiche ſind die ma⸗ thematiſch beſtimmbaren Koͤrper, Kryſtalle genannt.
Die ſie hervorbringende Kraft heißt die Kryſtalliſa— tionskraft; das Geſtaltverhaͤltniß uͤberhaupt Kryſtalli— ſation, und die Beſchreibung und Entwickelung der mannig⸗ faltigen Formen nach mathematiſchen Geſetzen, die Kryſtal— lographie.
Nicht alle Kryſtalle ſind gleich vollkommen und regelmaͤßig ausgebildet; nothwendige Bedingungen zur Hervorbringung vollendeter Kryſtallformen ſind(ſo weit unſere Erfahrung an kryſtalliſirenden Salzen reicht): chemiſche Reinheit der Maſſe, Feuer⸗ oder Waſſerfluͤſſigkeit derſelben, hin⸗
läͤnglich Raum, Ruhe und Zeit. Wo eine oder mehre
Bedingungen mehr und weniger mangelten, ſind auch die Kry⸗ ſtalle unvollkommner.
§. 12. Die Krfiſtallgeſtalt iſt unſtreitig eins der wichtig⸗ ſten Erkennungsmerkmale, ſo weit es naͤmlich ausreicht, d. h. ſo fern Mineralien wirklich kryſtalliſirt gefunden werden, wel⸗ ches bei den gemeinſten(wenige ausgenommen) am ſeltenſten der Fall iſt. Ueberdieß iſt die Kryſtallographie der umfaſſendſte und ſchwerſte Theil der mineralogiſchen Vor- und Huͤlfskennt⸗ niſſe. Da es nun bei vorliegendem Huͤlfsmittel zunaͤchſt auf die Kenntniß der gemeinſten Mineralien abgeſehen iſt; ſo wird es ausreichen, 1) mit den Theilen der Begrenzung eines Kry⸗ ſtalls, 2) mit den Hauptveraͤnderungen derſelben, und 3) mit den gewoͤhnlichſten und leichteſt erkennbaren Kryſtallformen ſich
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