VI
thigen Aufmerkſamkeit auf dieſe Werkſtaͤtte des Pflan⸗ zenwachsthums, theils eben an jenem Vor- und Huͤlfs— wiſſen fehlte: um die hier gegebenen Erſcheinungen ge— treu und klar aufzufaſſen; ſie nach ihren Urſachen rich⸗ tig zu deuten und Andern als ſichere Ergebniſſe wieder mitzutheilen. Vom Forſtwirth ſoll eine practiſche Bodenkunde erſt noch errungen werden— und Lehrer der Forſtwiſſenſchaft haben fuͤr die Verbreitung der dazu noͤthigen Kenntniſſe zu ſorgen. Was ausnahnweiſe Einzelne, auf einzelnen Localitaͤten, errangen, iſt noch unzureichend.
Es iſt ein gemeines, aber bequemes, aus einer ſonderbaren Verwechſelung mit Stubentheorien hervor⸗ gegangenes Vorurtheil der Unwiſſenheit und das gewoͤhn— liche Aushaͤngeſchild des practiſchen Duͤnkels: daß Er— fahrung an ſich— d. h. ohne Kenntniſſe— den Meiſter mache, da doch Kenntniſſe zu Erfahrungen erſt befaͤhigen muͤſſen. Zu den noͤthigen Vor- und Huͤlfs— kenntniſſen fuͤr eine practiſche Bodenkunde rechnet der Verfaſſer:
1) ein gewiſſes, obgleich nur geringes Maaß von phy— ſikaliſchen und chemiſchen Vorbegriffen— denn wie will man uͤberhaupt eine Erſcheinung in der Natur deuten koͤnnen, wenn man mit den Geſetzen ihres Wirkens gaͤnzlich unbekannt iſt! Fuͤr tauſenderlei Erſcheinungen hat der kenntnißleere Empiriker gar kein Auge, weil er keine phyſikaliſche und chemi— ſche Ahnungen von ihnen hat;
2) eine allgemeine phyſiologiſche Kenntniß des Pflan— zenkoͤrpers, um deſſen Beduͤrfniſſe zu kennen— welche ihrerſeits wiederum nicht ohne chemiſche Vorbegriffe erworben werden kann;
3) eine hinreichende Kenntniß(die abermals auf Phy— ſik und Chemie ſich gruͤndet!) der atmoſphaͤriſchen Kraͤfte, welche wir unter dem Namen Klima be—
————
5


