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Untersuchung über den eigentlichen Sinn der höheren Analysis, nebst einer idealistischen Übersicht der Mathematik und Naturkunde nach ihrem ganzen Umfang / Von Ernst Gottfried Fischer
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len, zu erreichen. Ideen sind Gesichtspunkte, welche die Richtung bestimmen, die unsere Thätigkeit nehmen soll: denn nur durch das Hinstreben des einzelnen und aller zum idealisch Guten, Wahren und Schönen ist Erhebung vom schlechtern zum bessern möglich.

Auch jeder Wissenschaft und jedem Theile derselben liegt eine Idee zum Grunde, welche das höchste nie erreichbare Ziel derselben in ei- nem einzigen einfachen Begriff zusammendrängt. Dunkel oder deutlich mufs jedem, der eine wis- senschaftliche Arbeit treibt, eine Idee vorschwe- ben; ohne sie ist alle Thätigkeit mechanisches oder zweckloses Streben.. Die falsch gefalste Idee einer Wissenschaft weiset der Geistesthätigkeit einen unrichtigen Zielpunkt an, und führt die Forschung auf einen falschen Weg, so dafs sie Jahrhunderte lang den Fortschritt der Wissen- schaft hemmen kann, wovon die Geschichte der Physik bis auf Baco und die Geschichte der Phi- losophie bis auf den heutigen Tag zwey sehr klare Beyspiele.=efern.

Selbst den ersten Schöpfern einer Wissen- schaft schwebt bey ihren unvollkonımenen Ar- beiten eine Idee vor; aber dann gewöhnlich dun- kel, und verworren oder gar verfälscht. So dachte man sich in den Zeiten des Alterthums unter Physik die Lehre vom ersten Ursprunge der Dinge; daher nannte man sie von gvumw Entstehungslehre. Difs war eine- verfälschte Idee: denn sie ‚stellte der Naturforschung ein

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