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Hinſichtlich des Alters der zur Zucht zu brauchenden Widder war man au eine Zeitlang nicht einig. Man entſchied ſich für ſehr junge Thiere und wählte am liebſten Jährlinge. Nun fand man aber, daß man damit auf die Entartung und Entnervung des Geſchlechts hinarbeitete, und ging von dieſem Gebrauche wieder ab. Dieß that man aber auch beſonders deshalb, weil man ſich überzeugte, daß die Wolle folcher Thiere ſich im zweiten Jahre oft ſehr nach- theilig änderte, und man ſich alſo, da ſie eben de8wegen ſchlecht vererbten, den größten Nachtheil in dem Fortgange der Veredlung der Heerden zuzog. Vom Sprunge aus der Hand, den man in vielen edlen Heerden Deutſchlands an- wendete, und von dem Ausleihen der Widder, was in Eng- land fehr gebräuchlich iſt, ſpreche ich im zweiten Theile.
Etwas, worüber man ſich auch nicht balv einigen Fonnte, war auch die Zeit des Zulaſſens des Mütter, und die davon abhängende Ablammung derſelben. Man machte Verſuche, dies früher, als es bisher üblich geweſen war, zu bewerkſtelligen. Dazu war aber nöthig, daß die Zuchtthiere durch beſonders gute Ernährung zur Paarung diSponixt wurden, Wo man kleine Stammheerden an- ſchaffte, da kam man bald damit zu Stande. Die von denſelben gefallenen frühen Lämmer hatten beſonderes Ge- deihen. Natürlicher Weiſe wünſchte man ſich von der übri- gen Heerde ähnliche. Auf gleichem Wege erreichte man dieſelbe Abſiht. Es war aber früherhin ſtet8 Sitte ge- weſen, die Widder nie vor dem Monat September zu den Mutterſchafen zu laſſen. So bekam man denn die Lämmer im Februar, und Lichtmeß war gewöhnlich der Termin,
Elsner's Uiberſ. d. europ. Schafz, 1. Bd, P


