Dis Lehre vom Dühnger. 42. Abſchn. (300)
Bruftfelber durch Küttiſſe bekommen. Wird man bey ſo viel redenden Beweiſen wohl noch an dem ſonderbaren Vorurtheil kangen, als yerderbe der Küttis das Land, auf immer?=-> Nur mache man nicht auf ſandigem oder grandigem Boden, dem es an. Erde fehlt ,"Küttis 3; denn ein ſolcher giebt magere Erndten, nd da das Feuer die bindenden Graswurzeln verbrennt, ſo kann leicht eine Art Triebſand und Unfruchtbarkeit entſtehen.“
>„Ein weſen'licher Gewinn für das ganze Land iſt, daß jähr» lich vurch Kürtiſſe viele tauſend Laſten Getreide mehr geerndtet werden, als die bloßen Bruſtfelder liefern würden. Wenn Viehe- ſeuchen auf etliche Jahre die Düngung rauben, ſo rettet ſich der Bauer gegen den Hunger vurch ſeinen Küttis. Wer ſeinen Ges b:ietsleuten das Ki>igbrennen unterſagt, der zwingt ſie, einen Tpeil ihrer Ländereyen, nämlich das Buſchland, wofür ſie doch Yogaben und Arbeit. leiſten, ungenußt zu laſſen. Nur der Holz» mangel kann ein ſolches Verbot rechtfertigen 3; aber dann ſuche wan die Buſchländer in Bruſtfelder zu verwandeln(wozu frei= lich ein großer Viehſtond gebört, um ſie bedüngen zu können), pder man laſſe, um den Holzmangel zu mindern, Stravh dare auf wachſen. Allenfalls könnte man, wenn der Küttis zum lebs ten Mule beſäet wird, Holzſaat darunter miſchen, oder auch Fut? Be um die Weideplähe und Heuſchläge(Wieſen) zu ve eſſern.“>12
„„Den Küttis beſäet man gemeiniglic< zuerſt mit Gerſte, oder mit Sommerweizen, oder mit Rüben; dann mit Noggen, Hafer, wieder mit Roagen und zuletzt mit Hafer oder Buchweis» en. Andere ſäen zuerſt Winterweizen darauf, und dann die Übrigen Getreidearten.“
So weit Hupel.
Auf meiner Reiſe, welche ich im Jahre 1827, in Begleitung von drey recht«gebildeten Livländiſchen Edelleuten, burd) einen großen Theil von Livland machte, habe ich mich überzeugt, daß das Küttisbrennen von außerordentlich gutem Erfolg iſt und darum da, wo es nicht an Holz fehlt, ſehr in genannter Provinz getrieben wird und einen ſehr weſentlichen Einfluß auf die ganze Lands wirtbhſchaft ausübt 3; denn nicht allein, daß man 4 und 5 Früchte aus dem Boden, auf welchem Küttis gebrannt worden iſt, ohne Miſtelung zieht und darin einen ſo ſehr hohen Körnerertrag, ſelten unterm töten, aber oft bis zum 20ſten Korne erzielt, ſon» dern das auf dieſen Flächen in Menge erbauete Stroh kommt den Binnenſchlägen zu Gute und bringt da ebenfalls einen ho» hen Körner- und Strohertrag hervor, wodurd eine fortgeſetzte progreſſive Vermehrung des Düngers Statt fand, da die Kür- ner in der Brennerey verarbeitet wurden, und alles Stroh in den Maſtſtällen Dünger wurde,= Dadurch wurde es möglich, daß die Livländer auf einem kleinen Theil ihrer großen Beſihun= gen mehr erndteten und mehr reinen Gewinn zogen, als mancher preußiſche Gutsbeſiter von ſeinem ganzen Areal, was vielleicht 4 und mehr Mal größer iſt, als dieſe Binnenſchläge eines livländi- ſchen Gutsbeſizers. Wenn der Livpländer auf ſeinen Küttislände- reyen ſowohl, als auch auf zwey Drittheilen ſeiner Bruſtlände- reyen, ſelten unter dem löten Korne erndret, iſt mancher preußiſche Landwirth auf ähnlichem"oder gleichem Boden mit dem 5ten und 6ten Korn vielleicht zufrieden, obwohl ſein Gut 3 und mehrere


