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Die Lehre vom Dünger oder gründliche Anleitung zur Production, richtigen Behandlung und zweckmäßigen Anwendung der verschiedenen Düngerarten auf den productiven Boden / von Friedrich Schmalz
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74 Die Lehre vom Dünger. 44. Abſchn, (266)

ſex zu einem dünnen Brey, und begoß damit reichlich die zuvor bis auf bie Wurzeln von Erde entblößten Bäume, welche hernach wieder wit der Erde bedeXt wurden. Zum nächſten" Frühjahr brachten dieſe Bäume nicht nur kräftige Triebe, ſondern auch viele Blüchen und viele ſchöne Früchte, und das zwar gerade in einem Jahre, wgs den Pfirſichen nicht günſtig war.=- Gerade die Bäumwe trugen die meiſten Früchte, welche den Sah des Kübels, alſo den vi&ſten- Guß erhielien.

Auch ich habe die E-fahrung gemacht, daß ein Begießen mit Kalkwaſſer recht wohlthätig auf die Obſtbäume, und, beſonders auf die Apfelbäume wirkte, und dieſe zum Tragen vieler Früchte bringt. Dieſe Erfahrung machte ich ſogar auf einem kalkhaltigen Sandboven, deſſen Krume mit Miſt oft bedüngt worden war,

Hermbſtädt empfiehlt, kränkelnde Obſtdäume mit Chlor- Falt zu düngen 3 man ſvl ſich deſſelben rein oder mit Kalk ver» wiſcht, bedienen; auch ihn im flüſſigen Zuſtaude bey. kraftlos 302 wordenen Bäumen, oder bey ſolchen, die nach dem Verpflanzen ſich nicht erholen können, oder vey denen, die von Blattläuſen gelitten haben, oder vom Hagel beſchädigt worden ſind, gebrauchen.

Ingenhbous fand das Begießen der Pflanzen mit Chlor ebenf?ls"chr vortheilhaft.

Einige Saxtner bereiten auf wancherley Art düngendes Waſſer zum Begießen der Pflanzen, beſonders der in Töpfen ſtehenden. Pim gewöhnlichſten weichen ſie thieriſche Excremente im Waſſer ein, und laſſen es ſo einige Zeit bis zum Gebrauche ſtehen. Einige ſollen auc<h etwas gelöſchten Kalt darunter miſchen.

Von der Poudrette und Urate. Ueber die 6,134. Zwar habe ich bereits im 9. 12. der Poudretto ßoudrette u. und der Urate erwähnt, aber dort geſagt, daß ihre Bez Urate- reitung noch als ein Geheimniß behandelt werde, Hiep will ich mittheilen, was mir ſeitdem bekannt geworden iſt.

Bey Donat und Compagnie in Paris werden die menſchli <en Excremente, Koth und Harn einzeln, aber auch' in Vermia ſchung, mit Kalk, Gyps, Kreide, Mergel, Aſche-und gebranntev Erde 13 bis 20 Zoll tief in die Erde vergraben, damit ſie, obne Seruch zu verbreiten, eine Gährung erleiden und troänen. Die ſo erlangte tro&ne Maſſe wird dann mit Walzen..gemahlen und als Poudrette verkauft. Y

Der Harn wird auch allein in einem Vehälter, der einige 20 Scheffel enthält, gefüllt und darin mit Gyps vermiſcht. Dieß Gemiſch wird. mittelſt eines Zapfens ausgelaſſen und-an der Luft getro&net, mit Walzen gepulvert, eingepa>t, und unter dem Na» men Urate verkauft. In der Fabrik zu Berlin ſoll die Poudrette und Urate auf ähnliche Weiſe bereitet werden.

Vier Scheffel Kalk oder Gyps mit gleichem Maaß Urin ge- ben 6 Scheffel Urate- Man nimmt an, daß ein erwachſener Wienſch im Durchſchnitt, ohne das, was außer dem Hauſe verlos ren geht, 1x berliner Quart Prin giebt. Eine Familie von 4 ero wachſenen Perſonen giebt alſo in einem Jahr ungefähr 45 Scheffel und dieſe mit gleicher Menge: Kalk oder Syps vermiſcht, geben windeſtens 60 Scheffel Prate, womit 20 preußiſche. Morgen ge- vüngt werden ſollen, Dieſe Düngung ſoll 2 Jahre nachhalten.

Gonach könnte eine Familie 40 preußiſche Morgen mit ihrem

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