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Dis Lehro vom Dünger, 144. Abſchn. (262)
Dorfe kam, zur Berieſelung einer bedeutend großen Wieſenfläcße benuten: um aber ſicher zu gehen, machte id) vorerſt einen Ver» ſuch auf einer kleinen Wieſe3 aber leider war auch nicht die ge» ringſte Wirkung von dieſer Bewäſſerung zu ſpüren, ungeachtet ich ſie zwey Jahre nach einander anwendete, und von meinen NRochbarn den Bewohnern, jenes Dorfes!, hörte, daß ihnen das Bewäſſern ihrer Wieſen mit dieſem Bachwaſſer großen Vortheil ſeit vielen Jahren ſchon gebracht habe, IT< konnte vorerſt nicht begreifen ,/ wie die Wirkung oberhalb meiner Wieſen ſo erwünſcht ſeyn, und auf dieſen gar keine ſichtbare ſeyn könnte: ich ſchob es anfangs auf die Verſchiedenheit des Wieſenbodens; aber ſpäs terhin, als ic<h die Berieſelung meiner Nachbarn näher kennen lernte und die verſchiedene Wirkung genau beobachtete, fand ich auf den zunächſt der Quelle des Bachs liegenden und bewäſſer. ten Wieſen einen viel höhern Heuertrag, als auf den tiefer liegen- den, die ſpäter das ſchon auf jenen zur Berieſelung gebrauchte Waſſer erhielten.
, Es iſt daher ſehr gut gehandelt, zuvor, ehe eine koſtſpieo lige Vorrichtung zur Bewäſſerung einer Wieſe getroffen wird, das hierzu beſtimmte Waſſer<emiſch zu unterſuchen, und=- iſt das ohne große Koſten möglich= zugleich auch Verſuche anzuſtels len, 7 die Wirkung dieſes Waſſers auf die Vegetation auszu» mitteln,
Denn obſchon eine Berieſelung der Wieſen als bloßes Be» feu<mtungsmittel einigen Nutzen gewäpgren kann und wird, ſo iſt dieſer doch wohl oft ſo Unvedeutend, daß ſie nicht die Koſten einer Anlage vergütet, Eine ſolche Wieſe, die gar keine Dün«- gung erhält, wird nach und nach durchs Berieſeln mit reinem Waſſer um ſo eher erſchöpft.
Aber auh ein Bach, welcher duvr<h ein Dorf geht, da viel» leicht die Miſtjauche, das beym Waſchen des Weißzeugs ge» brauchte Waſſer, aus den Höfen und von den Triften die vom Regen: und Schneewaſſer mitgenommenen thiexiſchen Excremente aufnahm, kann in manchen Fällen unterhalb des Dorfes zur Berieſelung der Wieſen benutzt werden,'
Se De 6. 129. Eine Wieſe, welche berieſelt werden ſoll, muß > e en,
Dämme und freilich eine ſolche abhängige Lage haben, welche es zus
Gräben. läßt, daß das Waſſer überall bingebracht werden kann.
Gemeiniglich hat der Fluß oder Bach, welcher zum Berie» ſeln benubt werden ſoll, ſich in der tiefſten Stelle der Wieſe ſein Bettie gewacht, zu beiden Seiten deſſelben befinden ſich in naher oder weiter Entfernung von ihm Anhöhen, zu welchen hin das Waſſer, ſo weit es ſein zuvor unterſuchtes Gefälle zuläßt, geleitet werden kann.;:?
Dur eine Schleuſe, vielleicht in Verbindung eines Dam- mes, wird an der höchſten Stelle, wo der Bach.in das zum Gute gehörige Areal tritt, das Waſſer aufgeſtauet; doch muß vorher genau unterſucht werden, wie hoch das- Waſſer geſtauet werden kann, ehe es dem oberhalb liegenden Grenznachbar Scha» den verurſacht. Oberhalb dieſer Schleuſe, wird durch einen Canal, wenn die Berieſelung nur auf der einen Seite des Tha- les Statt finden ſoll, und durch zwey Canäle, wenn auf bei» den Seiten bewäſſert werden ſoll, das aufgeſtauete Waſſer in


