Vom Gyps- und Erdefahren. 59
(351) oder mit dem Gyps wieder erhielt. Aus den gemachten Erfah» rungen geht auch hervor, daß der. Gyps den Kleepflanzen Feuch- tigkeit zuführen muß ,' da er bey tro>ener Witterung am meiſten wirkt.
6, 109, Auf welche Art aber der Gyps dieß alles Wie er wiree. wirkt, das iſt no< ein Geheimnißz nur Hypotheſen können wir deßhalb aufſtellen, die aber doch weiter führen und manche Winke für den praktiſchen Landwirth darbieten können, weßhalb ich auch hier eine Hypotheſe zum Beſten gebe.
Scwefelſäurehaltige Mineralien, 3. B. das ſchwefelſaure Natrum(Glauberſalz), der ſchwefelhaltige Torf, der ſchwefel: ſaure Kalk(Gyps) verlieren an der Luft und in gelinder Wärme ſehr bald ihr Kryſtalliſationswaſſer und zerfallen in Pulver.
Eine Art Gyps verliert das Kryſtalliſation 8waſſer ſchneller, als die andere; ſo zerfällt der Gyps, welcher unweit Jena ge- funden wird, ſchneller an der Luft in Pulver, als der unweit Gera und Köſtritz gefundene,
Sollte nicht das entweichende Waſſer dem Klee und andern Pflanzen zu Gute kommen? Sollte nicht gerade an heißen Sommertagen der Gyps am meiſten ſein Kryſtalliſationswaſſer fahren laſſen? Sollten. nicht die lebensthätigen Gewächſe dieß Entweichen des Kryſtalliſationswaſſers befördern? Nicht vielleicht gerade der Kiee und einige andere Pflanzen dazu, am geſchi>kte- ſten ſeyn? Oder ſind die blätterreichen Gewächſe, beſonders bey dichtem Stande, geſchi&t, das Verdunſten des aus' dem Gypſe entwichenen Kryſtalliſationswaſſers zu verhindern und es mit ihren Blättern und Wurzeln einzuſaugen?
Bekanntlich wirkt gebrannter Gyps nicht ſv. gut, wie der Ungebrannte auf:das Wachsthum der Gewächſe z; jener verlor ſein Kryſtalliſationswaſſer beym Brennen, und kann es daher nicht mehr an die Pflanzen, wenn ſie es brauchen, abgeben.
Mehrere Landwirthe haben erfahren, daß der als Meblkalk gewonnene Gyps, welcher bereits an der Luft zerfiel, und alſo ſein Kryſtalliſationswaſſer wenigſtens größtentheils verlor, nicht ſo ſtark wirkt, als der. Steingyps, welcher durch Stampfen und Mahlen zerkleinert wurd.'!
Aber der Syps wirkt gewiß nicht allein durch Abgabe ſeines Kryſtalliſationswaäſſers, ſondern auch noch auf andere Weiſe.;
Wahrſcheinlich giebt er durch Feuchtigkeit, Wärme und Licht begünſtigt, einen Theil des Sauerſtoffs der Schwefelſäure an den Kohlenſtoff des im Boden befindlichen Humus ab, wodurd) die pflanzennährende Kohlenſäure gebildet wird. Das aus dem Waſſerſtoff des Humus und einem Theil des Sauerſtoffs der Schwefelſäure gebildete Waſſer wird in tro>nen Tagen gewiß auch dem durſtigen Klee zu Gute kommen.;
Der aus dem freygewordenen Schwefelſtoff und Licht ent- ſtäandene Schwefel bildet Hydrothionſäure; und dieſe, glaube ich, dient manchen Pflanzen als wirkliche Nahrung. I< halte die Bildung dieſer Säure für eine Art fauliger Gährung des Schwefels, wodurch dieſer zum Uebergang in die Pflanzen ge- ſchiter gemacht wird. Wahrſcheinlich düngen aus gleichen Ur- ſachen auch die faulen Eyer ſo außerordentlich, wie ich zu bes merken Gelegenheit hatte.


