Druckschrift 
Briefe über die Fellenbergische Landwirthschaft zu Hofwyl / [Georg von Escher]
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen

43 andere Erziehung, dur< andere, Sitten und Lebensart beſtimmt; es genügt ihm, daß alles bequem ſey, und faſt allen ſeinen Unternehmnngen gehet die Frage voran. Bezahlet mir ſolche in der Folge meine Auslagen 2? oder iſt ſie durhaus ſo koſibar nöthig? konnte ich ſie nicht wohlfeiler machen?

Wenn ein großer Unterſchied ſhon in der Perſon des Beſißers oder in ſeinem Stand, Erziehung und Lebens- weiſe liegt, ſo liegt no< ein größerer in ſeinem Charak- ter, oder vielmehr in ſeinen Neigungen. Sind dieſelben lebhaft, ſo beſhäftiget ihn jede neue Jdee, er geht der- ſelben na<, und glaubt er in ihrer Ausführung etwas gutes zu finden, ſo ſc<hre>en ihn die lei<htern Hinder- niſſe keineSwegs zurüF=- ſein Geiſt iſt zu den größten ſchwierigſten Unternehmungen bereit, keine Koſten halten ihn ab, dieſen oder jenen Verſu< zu wagen, von dem er glaubt, daß er für ſeinen Beruf, für ſeinen Zwe> vortheilhaft ſeyn dürfte. Hat er ein gutes Herz und denkt gemeinnüßig, ſo muntert ihn dieſe Denkungsart nah mehr zu Unternehmungen und Verſuchen auf; der Gedanke ſeines eignen Vortheiles verbindet ſi< mit dem- jenigen, daß auc<h andere Nuten aus ſeinen Verſuchen ziehen werden; er berechnet nicht allemahl die Koſten z der Wunſ< und die Hoffnung ein gemeinnüßiges gutes zu erzielen, reißt ihn meiſtens unwiderſiehlih hin. Ein Mann von ſolchem Charakter und Neigungen wird in der. Mechanik, im Fabrikweſen, in der Landwirthſchaft, nie bey einem Gegenſtand ſtille ſtehen, weil ſich ihm ein ſo weites Feld von neuen Erfahrungen darbietet.= Der Glaube, den er hat, daß andere ihm für dieſes alles Dank wiſſen werden, reißt ſein Ehrgefühl.

Die Wiſſenſchaft, die er ſich ausgewahlt hat, wird