Zürich den 24. May 1808,
Sie wünſchen, mein Freund! daß ih Ihnen meine Gedanken, mein Urtheil über Hofwyl, und alle dortigen von Herr Fellenberg getroffenen Anſtalten und Einrich- tungen mittheile,
Die Aufgabe iſt ein wenig ſchwierig; denn fie umfaßt mehrere Gegenſtände, und dieſe Gegenſtände ſind ver= ſchiedenen RüFſichten unterworfen; zu dem, wenn es überhaupt ſ<wer' iſt über Landwirthſchaft allgemeine Regeln zu geben, und na< dieſen zu urtheilen, weil Klima, Lage, Boden, Charakter und Sitten der Men- ſchen, Verhältniſſe, Gewohnheiten u. ſ. f. eine ſo une endlihe Verſchiedenheit in die landwirthſc<haftlihen Rez geln bringen, daß an dem einen Orte das geradezu verwerflich iſt, was an dem andern eingeführt, weſente lichen Nuten bringt, ſo hält es no< weit ſchwerer über eine Landwirthſchaft und die dahin einſhlagenden Anz ſtalten, ein rihtiges, jedermann befriedigendes Urtheil zu fällen, wenn es mit derſelben ſo weit gefommen iſt, daß ſie ,- wie jene zu Hofwyl, gleichſam zu einer Par- theyſac<he geworden, von vielen übermäßig gelobt, von andern eben ſo übermäßig getadelt, den Stoff zu einem Federkrieg gegeben hat.
So ſc<wierig indeſſen dieſe Aufgabe, aus den ange- führten RüFſichten geworden iſt, ſo werde ich mich denno< derſelben unterziehen, weil ih nicht gerne einen 1


