(685) unermeßliche Maſſe Geld wird alſo in dieſem Verkehr feſtgehal- ten, weil es ſich täglich wiederholt; es kann alſo in andere Ge- werbe nicht verwendet werden,, weil es immer zu dieſer. Verwen» dung bereit liegt; iſt"letzteres aber nicht im vollen Maaßge der Fall, und haben die Inhaber der Staats Effecten, ſoiche für baares Geld um einen vielleicht niedrigen Curspreis gekauft, ſo baben ſie darneben zuweilen nur noch ſo viel Geldfonds, als zur Fortſezung der Speculationen mit jenen Effecten nöthig iſt. Seit Erſchaffung der Staatsſchulden, die eigentlich eine Vor- wegnahme eines Theils des Nationalvermögens in ſich faſſen, ſieht man jenem Verkehr zufolge die Geld- und Effectencapitale auf den Börſenpläten zuſammenſtrömen, während die Provin» zen, wenn ſie nicht in beſonders günſtigen Productions: und Handelsverhältniſſen fich befinden, geldarm werden. Man hat ein großes Gewicht darauf gelegt, daß die Stgatseffecten zum Nationalvermögen gehören, allein da ſie wenig productiv ſind, wenigſtens nur unter ſehr günſtigen Umſtänden ſeyn können, da ſie nach-den Zeitumſtänden; und nach der durch dieſe beſtimmt werdenden öffentlichen Meinung, allen Werih verlieren köns= nen, tritt ihre Principaleigenſchaft als Nationalſchuld nur zu oft hervor, und producirt ſich genau in dieſer Eigen“<aft, ſy verliert ſich jene active Qualität, es bleibt bloß die Schuld Übrig, und dieſe kann ihre Natur unter beiden Fällen nicht ver- läugnen 3; denn immer müſſen' die Producenten aller Claſſen, odex deren Nachkommen in fernen Zeiten, ſie bezahlen und verzinſen, ohne daß ſie davon einen Vortheil haben, der eigentlich bloß Einzelnen-auf oben angegebenen Wege zukommen kann, Da alle Staaten in unſern. Zeiten große Verwaltungsbedürfniſſe haben, Unter denen die Verzinſung und Abtragung der Staatsſchulr:en obenan ſtebt, da dieſe Bedürfniſſe nur aus dem Nationaleinkom* men geſchöpft werden Xönnen, ſo muß die Nückwürkung hiervon auf den Nationalwohlſtand von Erheblichkeit ſeyn, und in der That ſind die in dieſen Beziehungen ergebenden Anſprüche an den Einzelnen groß, zumal Überdem diejenigen noch hinzutreten, die aus den Bedürfniſſen der Gemeinen und aus Privatrechts- verbindlichkeiten entſteben, und niemals vermieden werden kön» nen, Aus dieſen Urſachen, und hauptſächlich wegen einer größ: tentheils beſtehenden unverhältnißmäßigen Vertheilung der Ab» gaben, auf die Individuen und ihren Beſitz, wiederholt ſich nur zu oft die Erſcheinung des gänzlichen Verfalls, beſonders bey großem Landbeſitz, wo gewöhnlich ein Theil des Grundcapitals und oft das Betriebscapital ganz abſorbirt, dadurch aber die Production ſelbſt für eine geraume Zeit auf das Unbedeutende berabgeſezt wird; dieß kann nicht anders ſeyn, da die produci2 renden Kräfte endlich, bis auf den gemeinen Handarbeiter her- ab, auf dieſem Wege gedrückt und geſchwächt werden, dieſe let tern beſonders ober überall frey ausgehen und unbelaſtet bleiben ſoliten, Wohin man auch blickt, ſo iſt doch nirgends zu bemer- ken, daß auch. die umfaſſendſte Regierungsweisheit die kleinen, die mittlern und die größten Beſiter in das richtige Verbältniß Unter ſich und im Ganzen geſetzt hätte; der Einzelne, deſſen Jn= tegrität in dieſen Beziehungen ſich nicht mehr halten kann, ver- ſchwindet gleichſam vor dem Rieſen, dex das Ganze zu halten
Verhältniß des Landwirthſchaftsgewerbes zum Staate. 275


