Teil eines Werkes 
2 (1831)
Entstehung
Seite
272
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372 Oekonomie. 6. Abſchn,

(682) der Handel. Man kann bey einer Verfaſſung dieſer Art niee mals behaupten, daß ein ſolcher Staat allen Anſprüchen Ge- nüge zu leiſten vermöge, die nach den Geſeten der Nationals und Staatswirthſchaft gemacht werden können, denn in ihm werden niemals alle Thätigkeiten, folglich bey weiten nicht alle Kräfte entwi>elt, die nach jenen Geſetzen, und auch nach dem Zwecke des Staats, entwickelt werden ſollen und müſſen, Man nennt in poliniſcher Beziehung, einen Staat ſtark oder. ſchwach, je nach ſeinem Umfange, ſeiner Bevölkerung, Staatseinkünften, Heeresmacht und Laage; man würde dieß deutlicher ausſprechen, wenn män ſeine Einwohner nach ihrem Grundeigenthumsbeſth, und nach ihrer Beſchäftigung laſſinicirte, um ſofort beſſer zu Überſehen ,; welche Bedeutung es darnach mit dem Heere und den Staatgeinkünften, nicht minder mit dem Glü> der Einwoh- ner ſelbſt habe. Wo viele Staaten neben 2inänder liegend ihre Producte gegen einander austauſchen können, da erweitert ſich der Markt, die verſchiedenen Bewohner lernen ſich ſchon eini« germaßen durch die Producte kennen, es entſtehen mehr Berüh- rungsvuncte, was man im Süden nicht gekannt hat, lernt mani von Norden her kennen und genießen, und umgekebrt. Die kurzſichtige Beſorgniß, daß die Gewerb- und Handelsfreyheit durch die vermehrte Concurrenz fich ſelbſt vernichte, beſtätigt ſich nirgends; nicht deßhalb macht Deutſchland bedeutende Geſchäfte in roher Wolte und wollenen Waaren, weil der Krieg die fei:

nen Schafe in Spanien vernichtet hatte, ſondern deßhalh, weil'

in Deutſchland und Oeſterreich, die Wollenproduction ungemein verbeſſert worden war, und dieſes konnte nur durch vermehrte Einſichten und Arbeit geſchehen, und weil die in neuern Zeiten vermehrten Kenntniſſe und Thätigkeiten unmittelbar darauf hin- führten, dieſes Product unſeres Bodens. möglichſt vortheilhaft zu benußben, und es dem weit verbreiteten Bedürfniſſe theils roh, theils in anpaſſender Kunſtform, entgegenzuführen, Die Menge der Schafe iſt bedeutend geſtiegen, ohne die Summe der andern Vieharten zu vermindern, es kleiden ſich jeht bey weisz ten mehr Menſchen in Tuch, als ehedem, und es hat auf die- ſem Wege eine envrme Vergrößerung des Nationalcapitals ſtatt gefunden, über deſſen Beſtand und Dauer man wohl ſchwerlich mit einigem Grunde Beſorgniſſe haben darf, da fremde Concur- renten doch erſt die Stufe erreichen müſſen, auf der wir uns bereits befinden, und Überdem nicht jedes Land, mit gleichem Erfolge daſſe!be treiben kann, wie denn Z. B. England nie mals eine Schafzucht, nach deutſcher Art treiben kann und wird. Die Vermehrung der Kenntniſſe, vermehrt nothwendig die Thyätigkeit und die Arbeiten, und die Theilung des Bodens bis auf gewiſſe Größen, begünſtigt Thätigkeit und Arbeit in einem hoben Grade z; unſere Vorfahren beſaßen häufig große Herrſchafs- ten vom Umfange mehrerer Geviertmeilen ,. dennö< brachten ſie häufig nicht ſo viel ein, als ein Landgut vvn mittlerer Größe in unſern Zeiten 3; aber auch noh jett iſt im Ganzen der Bo- denbeſivs in einer Hand viel zu aroß, um dem Zwecke zu ents ſprechen 3 ein Landgut von 4000 Morgen Flächeninhalt, bringt mit Gewißheit nicht halb(o viel ein, als wenn dieſe Fläche au