Teil eines Werkes 
2 (1831)
Entstehung
Seite
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(681) mes oder Hafens, ſelbſt durch Aufhebung des bigher freyen Ge- treidehandels, ſo werden in dieſen Kunſtgewerken alle Anlage- capitale in ihrem Werthe bedentend ſinten, und bey langer Dauer eines ſolchen Zuſtandes werden ſie danz vernichtet wer» denz; denn unter Anlagecapitalen werden hier nicht bloß baare Geldſummen verſtanden, ſoridern die für den Betrieb angeſchaff- ten Mittelals Gebäude, Geräthſchaften, Werkzeuge, ſetbſt die vorräthigen Waaren und Producte werden ohne Abgang dalie- gew und-am Werthe verlieren 3; dieß wird bie nothwendige Folge baben; daß eine Menge aus der arbeitenden Claſſe brodlos wird, daß jeder ſich einſchränkt, daß die Preiſe der Lebensmittel ſich war auch nach und nach vermindern, falls auch für ſie die Aus- fuhr unterſagt iſt, daß ſie aber dennoch immer noch eine Zeit lang zu hoch für das Bedürfniß von Leuten ſeyn werden, die, indenr ſie wenig bder nichts verdienen, doch derſelben. nicht ent2 behren können. Tritt aber, in Folge eines ſolchen Zuſtandes, auch ein bedeutendes Herabgehen der Preiſe der Lebensbedürfniſſe ein, ſo werden auch die Producenten derſelben in gleichen. Fall, mit jenen koimmen, während überall der Zinsfuß daſtehen bleibt, wo nicht wucherhaft ſteigt, und die unmögliche Erfüllnng beſie- hender und fortlaufender, Verbindlichkeiten, nebſt der Fortdauer derſelben Lande8abgaben, wird die allgemeine Calamität vergrö- ßern. Man nehme ferner den Fall, daß der Grund und Boden in großen Beſihthümern in den Händen weniger Perſonen ſich befindet, und der Handel mit Producten frey iſt, alle Übrige Gewerbe aber dem Zunftzwange unterliegen und durch Mono- pole und Privilegien beſchränkt werden, der Handel mit den Producten dieſer Claſſe aber auch mancherley zwängender Ver- fügungen, Vexationen und hohen Abgaben unterworfen iſt, da wird die ſtädtiſche Bevölkerung zurückbleiben, Nahrungs- und Wohlſtand wird niedergedrückt, und die Producenten der Lebensmittel werden nur in ſofern nicht mit darunter leiden, als ihre Producte fortdauernd einen angemeſſenen Preis auf den Märkten des Auslandes finden, was ſich niemals'mit Gewiß= beit erwarten läßt 3; Verfaſſungsverhältniſſe ſolcher Art beſtehen zur Zeit>viele, in und außer Deutſchland. Die producirenden Kräfte eines Volks erfordern unerläßlich die nöthige Freyheit, um ſich zu entwickeln und in Thätigkeit treten zu können, der Handel unterſtüpt dieſe Thätigkeit/ und liefert auf der einen Seite die nöthigen Hülfsmittel, während er auf der andern das Geſchäft über ſichnimmt, die Produkte den Märkten zuzufüh- ren und dieſe Märkte auszuforſchen, ja zuweilen ſelbt ſolc<e erſt. neu zu ſchaffen. Der große innere Maxkt eines volkreichen Staats unterhält ſchon an ſich.eine große Thätigkeit, und dieſe wird geſteigert,.wo auch für das Ausland gearbeitet wird und gearbeitet werden kann.

Es giebt noc< Staaten, die in ihrer Verfaſſung ſelbſt das Hinderniß zu ſuchen haven, daß die producirenden Kräfte des Volks ſich nicht entwickeln können, das ſind hauptſächlich die- jenigen Länder, wo der Bodenbeſit wenigen Händen und eis nem privilegirten Staude bingegeben iſt, es alſo an kleinen Land- beſipern, folglich an einer Mitelclaſſe auf dem Lande feb!t; hier ſind auch in der Negel die Staaten ohne Bedeutung, ſo wie

Verhältniß des Landwirthſchaftsgewerbes zum Staate. 271