Teil eines Werkes 
2 (1831)
Entstehung
Seite
265
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Verhältniß des Landwirthſchaftszewerbes zum Staate.

(675) unabweisbare Bedürfniß dafär Bürgſchaft leiſtet, daß ein Herab- ſinken der Producte bis zum Unwerth unmöglich iſt; dieß haben die lezten drey Jahre gegen die ihnen unmittelbar drey vorberge- gangenen binreichend bewieſen, und dieſe, ſo wie obige Erfah- rung, nebſt dem nicht unbedeutenden Unterſchiede in den obett beimerften Preiſen innerhalb 50 bis 60 Jahren, dürften,in dieſer Beziedung jede Furcht beſeitigen, und der ganze Mechanigsmus des Nativnalverkehrs vielmehr nur dazu auffordern, Alles zu ver- meiden, was die arbeitenden Nationalkräfte zu lähmen vermag, dergeſtalt, daß daraus eine unnatürliche Verſchiedenheit der Ges winne und Löhnungen, nach Gelde berechnet, hervorgeht, weil dieſes allemal nothwendig zu einer Calamität für einzelne Skände führt, und ſelbſt die Gewinne der einzelnen Claſſen imaginär macht:

Wir begegnen indeſſen auf dieſem Wege no< einer Anſicht der Staatswirthſchaftslehrer, die obiger Meinung entgegentritt, und alle Erfolge beſtreitet, indem ſie ſich in der Beſorgniß ause ſpricht:

daß, da alle Production, beſchleunigt durch die Vermeh- rung der Naturkenntniſſe und überhaupt. durch wiſſen» ſchaftliche und techniſche Kunſtausbildung, und durc<-Ge- werbefreybeit nothwendig auf Wohlfeilbeit tendire, und die große Concurrenz zu letzterer zwinge, da alle Völker der- ſelben Richtung. folgten, und zugleich bey der folcherges ſtalt geſteigerten Production, ſich in ihren Grenzen rein abzuſchließen bezweten, ſo werde am Ende der freye Ge- werbvertehr im eigenen Uebermagaße der Producte unterge: ben.

Dieſe ſ<Hon theilweiſe von Arthur Young, un ſeiner politiz ſchen Arithmetik, vor geraumer Zeit, insbeſondere für den engli- ſchen Landdau, ausgeſprochene, und in neuerer Zeit in großer Alle gemeinheit wiederholte Behauptung findet ihre Widerlegung nicht nur in den verſchiedenen Culturſtufen der Völker, ſondern auch in der Weltlage der Staaten, in den verſchiedenen Bedürfniſſen, Sitten, climatiſchen Einflüſſen, ſogar in den Verwaltungsfore men, endlich, bezüglich auf die Lebensmittelproduction, in dem Gebundenſeyn derſelben an die Jahreszeitren und» an gewiſſe Zeit- xäume. Wenn man Europa vom Tajo bis über den botniſchen Meerbuſen binauf in dieſer Beziehung betrachtet, ſo finden ſich ſchon die ſtärkſten Gründe gegen die Richtigkeit jencr Behauptun- gen, noh mehr, wenn die andern Weltiheile, mit deney Euroya ver» Xehrt, in Erwägung kommen. Nicht allen Völkern ſind von der Natur alle rohen Naturſtoffe gegeben, alle haven andere und verſchiedene Bedürfniſſe, und deren Befriedigung veranlast ein ſich Durchkreuzen aller Thätigkeiten über den ganzen Erdball hin. Scwerlich wird jemals der in"einer reichen paradieſiſchen Na2 tur wohnende Südamerikaner den Flachsbau und die Leinewe» berey ireiben, wie unſer ſchleſiſcher und preußiſcher Landmann mit ſeinem ganzen weiblichen Hausſtande ſie ämſig treibt; Schwe- den wird häufig und auf die Dauer unſeres Bröodaetreides, wie wir ſeines Eiſens bedürfen, und Frankreich gern ſeine Weine ge gen unſer Holz, Vieh und Pferde vertauſchen; Agterika wird

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