Oekonomiſ<he Rehenkunſt.
36605) den Claſſe hat nicht ſelten zur Rechtfertigung des Dru&s gedient, den man ſich gegen dieſelbe erlaubte. Wenn gleich von Leibeiz genſchaft in Deutſchland nicht mehr die Rede iſt, ſo giebt es doch andere Einrichtungen, die, wo nicht eine gleiche, doch eine ähnliche Wirkung wie jene, hervorbringen. Iſt es an ſich ſchon eine, die Unvollſtändigkeit und Gebrechlichkeit aller menſchlichen Einrichtungen und der Staatsgeſellſchaften beurkundende That2 ſache, daß ein großer Theil ihrer Mitglieder vom Schi>ſal ver- urtheilt iſt, ihr Lebelang auf der unterſten Stufe der Geſell ſchaft ſtehen bleiben zu müſſen, um im Alter oft in Dürftigkeit und Hülfloſigkeit unterzugeben, iſt es dieſer Claſſe in der Regel nie möglich, irgend auch nur ein kleines Capital zu ſammeln, iſt ihre phyſiſche Kraft die einzige gebrechliche Garantie ihrer Exiz ſtenz, die mit dem Alter dahin ſchwindet, ſo iſt-es obne Zweiz fel ſoviel, als dieſen Zuſtand noch precärer machen, wenn. die Po* lizeygeſeze vieler Staaten die Arbeiterclaſſe can den Ort, oder doch an den Kirchſprengel bindet, in welchem ſie geboren, oder in welchem ſie die längſte Zeit gelebt hat. Dieſes Band= in dem freyen England gerade am feſteſten=- verpflichtet den Ort oder Sprengel allein zur Unterhaltung der aus dieſer Claſſe ent- ſtehenden Armen, eine Auswanderung oder.Ortsveränderung fin- det entweder gar nicht Statt, oder wird erſchwert und unmög= lich, da ſie nur auf ovrigkeitliche vortheilhafte Zeugniſſe gel'che- ben kann, und da die Obrigkeit in den meiſten Fällen zugleich bisheriger Arbeitgeber iſt, ſo wird ſie taugliche Arbeiter nicht entlaſſen, und wird die Entlaſſung erzwungen, ſo fragt ſich noch, ob am andern Orte Aufnahme erfolgt, welche häufig ſchon dann verſagt wird, wenn, wie gewöhnlich, eine zahlreiche Familie dem Hausvater folgt, Aus dieſen Verhältniſſen entſpringt für die Arbeiterfamilien der Zwang, bleiben zu müſſen, wo ſie ſind, und den Lohn als hinreichend anzunehmen, der ihnen geboten. wird. Erniedrigt dieß, wie nicht zu läugnen, den Lohn der Arbeit, ſo bedarf es weiter keiner Frage, ob dieſe inhumanen und ihre Ur- beber ſelbſt beſtrafenden Geſetze geeignet ſind, den ſittlichen Zu- ſtand des gemeinen Volkes zu verbeſſern. Was auf dieſem Wege an Arbeitslohn erſpart. wird, gebt auf der andern für Armen- pflege und Armenbausbeyträge, oft auch für Criminalunkoſiqn, tauſendfach wieder drauf, und dieſes Uebel wirkt krebsartig ſchnell für die folgenden Geſchlechter fort,
Daß ſol<e Verhältniſſe den wahren natürlichen Mittelpreis der Arbeit nicht zu fixiren vermögen, leuchtet ohne weiteres ein, und nur die- Herſtellung einer Cinrichtung, die die Exiſtenz der Arbeiterfamilien für das Alter ſichert, die ihnen perſönliche Frey- beit läßt, Arbeit nach ihrem Willen zu ſuchen, die zugleich-einen Fonds ausweiſt, der nicht aus dem Ort oder dem Kirchſprengel, vielmehr.aus den Beyträgen der Arbeitbedürfenden, der ganzen Provinz, oder des ganzen Landes, unter billiger Heranziehung der Arbeiter ſelbſt, gebildet wird, vermag die Gebrechen dieſes Theils der Geſellſchaft zu beben, und dadurch dieſe ſelbſt in ih- rem Wohlſtande mächtig zu ſteigern, indem nur auf dieſem Wege der Sittenverbeſſerung des gemeinen Volks in Städten und auf dem Lande zu Hülfe zu' kommen iſt, wenn zugleich unverſtändi- gen und unzeitigen Eheverbindungen begegnet, und eine unna- türliche, elende Voltsvexmehrung dadurch verhindert wird,
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