Oekonomiſche Rechenkunſt,
(613) dem man dieſe genau beobachtet, wird man jenen in Zahlen ausſprechen können, Die Nationaltbätigkeit an ſich hängt zu- nächſt vom phyſiſchen Bedürfniſſe ab 3; dagegen wird ihr Maaß und Umfang durch andere Umſtände beſtimmt. Der Reichthum und die Güte des Grund und Bodens, das Verhältniß zwiſchen den culturfähigen und den der Cultur nicht bedürfenden Lände- reyen, folglich Aer gegen Wieſen und Weideländer, beſtimmt einen großen Theil der jährlich erforderlichen Arbeit, die bloß für den Lebenüunterbalt geleiſtet werden mußz iſt dieß Verhält- niß günſtig in einem gewiſſen Lande, ſo wird das verrichtete Maaß von Arbeit vielleicht drey bis viermal mehr Früchte erzeu: gen, als in einem anderen Lande, von einex gleich großen Erd- fläche, unter weniger günſtigen natürlichen Verhältniſſen, bey derſelben Arbeit8verwendung, gewonnen werden können, Wir wer- den alſo das erſtere Land reich nennen, wenn gleich das andere deßhalb noch nicht arm, ſondern nur minder reich iſt. In beiden Ländern werden die Arbeiter verſchieden gelobnt werden, und angenommen, daß im erſtern 1 Tagewerk mit 8 Metzen Brodge- treide, und im letztern nur mit 4 Meßen, gelohnt würde, ſo iſt es doch möglich, daß jene höhere Löhnung nicht mehreren Sach- werth hat, als dieſe geringere, daß alſo die Arbeiter in beiden Ländern gleich gelohnt werden, Dieß erklärt ſich durch die übri- gen Arten der Nationalthätigkeit, und der: zu derſelben erforder- lichen Arbeit; denn die Summe der Arbeiten im Manufactur- und Fabricationsweſen und im Handel beſtimmt gleichfalls den Preis der Arbeit, und zwar nicht ſpeciell für dieſe allein, ſon- dern ſie wirkt auch überhaupt auf den Preis aller und, jeder Art von Arbeit, nicht nur deßbalb, weil ihre Producte in die allgemeine Conſumtion gehen, ſondern auch, weil die Arbeiter Überhaupt ſelbſt eine Concurrenz veranlaſſen, und ibre Dienſte dieſem oder jenem Stande widmen. In der Negel pflegt die mercantiliſche Production in einem Lande, das reichen Boden bat, von größerem Umfange zu ſeyn, als in einem mit minder reichen Boden, oder ſie könnte wenigſtens größer ſeyn, wenn gleich das aus andern Urſachen nicht überall der Fall iſt; es wer- den alſo zur geſammten Nationälwirthſchaft mehr Arbeiter erfor- dert, als vergleichsweiſe in einem minder reichen Lände(und dieſe finden ſich im erſtern Lande eher, als im letztern), das daher ent- ſtebende Angebot der Arbeit ſept alſo ihren Preis auf ſein natür- liches Maaß, welchem der Beſtand der arbeitenden Claſſe, und zwar in beiden hier erwähnten Fällen, zum Grunde liegt, denn jeder Arbeiter muß durch ſeine Arbeit ſoviel verdienen, daß ſein und der Familie Subſiſtenz geſichert bleibt, und da bierunter alle Arbeiter im gleichen Falle ſind, ſo kann in der Regel der Arbeitslohn niemals unter ſeinen natürlichen Preis ſinken, weil, wenn dieß durch beſondere Mittel erzwungen werden ſollte, bald ſchlechtere oder weniger Arbeit geliefert werden, und dieſelbe alſo in der Wirklichkeit theurer zu ſtehen kommen würde, wo dann zu erwarten ſtünde, daß dieſe Neaction die Sachen bald wieder auf ihren frühern Standpunct zurükführen werde, 4 Dieſex natürliche Verlauf der Dinge ſett aber eine natürliche Verfaſſung der Rationalwirthſchaft voraus, das iſt eine ſolche, in welcher perſönliche Freybeit, und kein Monopol- und Privile:- gien- Weſen, kein Verfaſſungs: und Polizey» Dru exiſtirt,


