Teil eines Werkes 
2 (1831)
Entstehung
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Oekonomie. 3. Abſchn.

(608) unterbrochen erhält; je höher die Gebirge, deſto ſchlechter rentirt die Weide, weil Schnee und Thauwaſſer ſich erſt ſpät verlieren 3 daher dauern ſie gewöhnlich nur 4 Monate, beſonders an der Mit- ternacht- und Morgenſeite. Deſſen ungeachtet pflegt ſie ,.wo ſie durch zu viele Felſen nicht zu ſebr beſchränkt wird, der Niedes= rungsfettweide am nächſten zu ſteben, weil die Gräſer gewöhn- lich die nabrhafteſten ſind, die exiſtiren, und weil ſie auch nicht einmal Einkoppelung zuläßt, folglich als bloße rohe Naturgabe die wenigſten Koſten macht. Große Entfernung vom Wirthſchafts-

hofe allein kann hierunter ein Anderes bedingen.

Die Angerweiden ſind Grundſtü>e von ſolcher Beſchaf: fenheit, daß entweder ihre Bodenquantität eine Capitalsverwen» dung darauf, zum Zweck beſonderer Cultur, nicht zuläßt, weil ſie nicht rentiren würde, oder weil beſondere natürliche Hinder- niſſe, auch Rechtsverhältniſſe eine ſolche ſonſt allenfalls ausführ- bare Cultur verhindern. Man nutt ſie alſo, der mindeſten Ko- ſten wegen, als Viehweide, falls der Eigenthümer' nicht im Stande iſt, Obſervanzen und Belaſtungen, welche darauf ruhen, aufzuheben, in ſofern ſie nämlich überhaupt verdienen meliorirt zu werden. Gewöhnlich erſcheinen ſie nur als Hülfsweiden, und Ortslage ſowohl als Gemeinnutung mit andern macht, daß ihr Werth ſebr herabſinkt, weil jeder Nutungsberechtigte dabey oft nach Willkühr verfährt, und daher alle Arten von Vieh unter einander aufgetrieben werden. Hierher gehören nur die im nörd» lichen Deutſchland ſogenannten Gemeinweiden, Koppelhütungen, Hütungslöcher im ſüdweſtlichen, die unter den Namen der Allz menden, Vöhden(in Weſtphalen) u. ſ. w. bekannten Stellen, worunter levtere jedoch der Abweichung von der Regel unterlie: gen, daß ſie von der ganzen Gemeine oder Bauerſchaft mehrere Jabre zum Getreidebau ſehr ſchlecht bearbeitet und folglich auch ſebr ſchlecht benutzt und ganz ausgeſogen, dann aber auf gewiſſe Jahre wieder zur Gemeinweide benutzt werden.

Die Koppel- und ſonſtigen Servitutweiden ſind den eben berührten Verhältniſſen ſo nahe verwandt, daß, falls ſie auch auf beſſerm Boden Statt finden, doch oft der Name der Sache mehr ſcheint, als die Sache ſelbſt iſt 3 denn nur zu oft gewährt ſie nur einen eingebildeten oder doch nur einen ſehr ge- ringen Nuten, weil gewöhnlich die aufgetriebene Viehzahl mit dem Graswuchſe im Mißverhältniſſe ſteht.

Uebrigens iſt in Anſehung der Berechnung der Weidenu- bungen zu beachten, daß ſich in der Regel bey jedem Gute eine Erfahrung darüber gebildet hat, wie ſtark der Viebſtand zur Weide ſeyn kann und darf, und hierin findet man denn, obne alle Rüficht auf das Durchwinterungsvermögen; durch Aer- und Wieſenertrag, ſchon einen Fingerzeig, nach welchem Verbält- niſſe der gefundene Weidefutterwerth auf die einzelnen Reviere zu vertheilen iſt; wogegen man einen falſchen Schluß machen würde, wenn man annähme, daß, weil ſo und ſoviel Vieh durch- gewintert werden kann, auch für daſſelve Weide genug im Some- mer vorhanden ſeyn müſſe; im Gegentheil fehlt oft ſehr viel am hinreichenden Bedarf der lettern, und die Viehſtände leiden ER: oder müſſen zum Theil auch im Sommer Stallfutter erhalten.