Dekonomte. 3, Abſchn.
(598) ſem Wege, wie ho alle Futterarten durch die Viehſtände aus- gebracht werden; und da man in jetigen Zeiten in der Viebzucht 'und in der Kunſt der Abwartung und Ernährung der Vieharten " viel mehr Erfahrungen gemacht, und vorzüglich die Kartoffel zu einem Surrogat des Heues erhoben hat, ſo iſt hierdurch auch ſogar die ſchlechteſte Strohfütterung in einen höhern Werth ge- kommen, und dieß iſt Grund, weßhalb eine ganz altförmige dürre Dreyfelderwirthſchaft mit reiner Brache überall nicht mehr ange- troffen wird 3; angenommen aber auch, daß dergleichen noch in volksarmen abgelegenen Provinzen im Bauerſtande exiſtirten, und zwar- ohne allen Wieſen: und Weidebeſiß, ſo würde der Ader- boden doh immer in ſoweit ergiebig ſeyn müſſen, daß die Fut- tererträge davon einen der Fläche angemeſſenen Viehſtand ernäh»- xen können, TJſt dieſer Fall vorhanden, ſo wird der Wirth ſoviel vom Körnerertrage auf Heuankauf verwenden, als er für nöthig hält, und als durch den Preis der thieriſchen Producte, mit eis nem Ueberſchuß zum nöthigen Vortheil, mit Einſchluß ſeines Stroh» futters, ſich bezahlt macht 3; iſt aber der Preis der thieriſchen Pro- ducte nur gering, und ein Heuankauf überdem ſchwierig, ſo wird dieſe Wirthſchaft keinen Beſtand haben, oder wenigſtens die aller» ärmſte von der Welt ſeyn. Wir dürfen aber mit Gewißheit an- nehmen, daß, ſo wie ſol<he Verhältniſſe in dieſer wb ee nirgends mehr exiſtiren(man ſehe Bd. IV. S, 622 v. f. dieſe Werkes), dieſelben„auch, wie ſchon erwähnt, ſich nicht eignen Anleitung zu irgend einem Theile der ökonomiſchen Rechenkun zu geben 3; man hat daher aud) nicht nöthig, um dieſer Grund lage willen(nämlich dieſer Dreyfelderwirthſchaft)- den erforderlie <en Düngerzuſchuß vom Ertrage in Abzug zu bringen, oder ſeine Zuflucht zu einem andern Wirthſchaftsſyſteme zu nehmen, geben vielmehr in Anſehung des letztern auf das darüber oben Zorgetragene zurück, WIE 972,06 1x Daß dieſer Veranſchlagungsmethode eine richtige Bonitirun vorangehen müſſe, iſt unerläßlich z im 1, Bande dieſes Werks S.'60 u. im 4. S. 656, ſind bereits die Beſtandtheile des Bodens und ſeine Claſſification angegeben, und wir haben hier nur noch vom Geſchäfte der Bonitirung ſelbſt das Nöthige vevzupri gen: Die Bonitirung, oder die Ausmittelung der 4.F uctivkraft des Bodens, gründet ſich auf die einem Taxator, oder Boniteur, inwohnende Fähigkeit, aus eigner praktiſcher Uebung die äußern Merkmare und Eigenſchaften der verſchiedenen Bodengattungen zu erkennen, und fh dabey durch Nebenumſtände und kleine Ab- weichungeri nicht irre machen zu laſſen. Dieſe äußern Merkmale und Eigenſchaften ergeben ſich nun aus den verſchiedenen Erdar- ten, aus denen der Boden beſteht, der nicht ein<emiſch gemiſch» ter Stoff, ſondern ein Gemenge verſchiedener Erden und<emiſch gemiſchter Stoffe iſt; da wir nicht wiſſen, in wieweit die verſchie: denen Erdarten eine<emiſche, oder bloß eine mechaniſche, in- ſtrumentelle Wirkung in Anſehung der" Pflanzenerzeugung"aus= üben, ſo müſſen wir uns begnügen zu wiſſen, in wiefern die Quantität der einen Erdart. gegen die andere, oder gegen meh- rere andere im Boden, die Fähigkeit deſſelben“ bedingt, gewiſſe Früchte in gewiſſer Menge und Zeit hervorzubringen, und die Kenntniß alſo von jenen äußern Merkmalen und Eigenſchaften 3 und von dieſen Fähigkeiten macht die Wiſſenſchaft des Boniteurs


