Oekonomiſ<e Rechenkunſt.
(597) tionsfällen zur Anwendung gebracht zu werden, denn es kann hierbey, da er keine Kaufwaare iſt, die baare Geldanlage erfor- dert, nur auf den allgemeinen Werth im Bereiche der Pro- duction ankommen, wiewohl außerdem in vielen beſondern Fäl- len und wirthſchaftlichen Verbältniſſen, wie geſagt, dem Dün- ger ein höherer Werth beygelegt werden kann und muß, wie ſchon derjenige Landwirth würde beweiſen können-(und auch ſchon oft bewieſen iſt), der ſeinen Umlauf ſo einrichtet, daß er von derſelben Fläche, mit gleichem Koſten- und Düngeraufwande in zwey Jahren drey Erndten zu machen im Stande iſt; die Erfolge der Gärtnerey und des Handelsge- wächsbaues beſtätigen dieß hinreichend, jedoch nur als Ausnahme Und dadurch gewiſſermaßen obiges als die Regel.;
Der Verfaſſer bevorwortet übrigens hierbey, daß, indem oben der Düngerwerth im Allgemeinen berechnet iſt, es im Beſon- „dern allerdings auf die Qualität des Düngers, ob er nämlich bey reicher oder karger Fütterung, und von welcher Viehart, ex- zeugt, ankommen, und danach ſein Werth ſich verhältnißmäßig abändern wird 3; hierüber, und von den Wirkungen der Dünger- arten auf die verſchiedenen Bodenarten, wird auf die ausführli- <he Düngerlebre in dieſem Werke verwieſen, und gehört dieſer Gegenſtand auch zum Theil in den Artikel: Agricultur.
Bey Feſiſtellung der roben Erträge des A>erbodens(ſ. oben unter 1 und 2) müſſen auch die Erträge an Stroh und natürliz <er oder künſtlicher Weide gemeſſen und angeſchlagen werden, denn das Stroh hat nicht bloß, als Einſtreumittel, einen Dün- gerwerth, ſondern zunächſt einen Futterwerth 3 der letztere origi- nirt ſich, wie nachher gezeigt werden wird, aus den Mittelprei- ſen der thieriſchen Producte, und es iſt am einfachſten, daß, nach erfolgter Berechnung der reinen Aerbaukoſten, die Koſten des Viebſtandes berechnet, und ſolche auf die Futtermittel vertheilt werden, auf welchem Wege alſo die Erträge vom Viehſtande mittelbar zum Anſchlage kommen. Hierbey kann es nicht darauf ankommen, wieviel ſogenanntes Kraftfutter, außey dem Getreide- ſtrob, dem Viebſtande in einzelnen Fällen oder überhaupt, 8e2- reicht wird, weil dieß die innern Wirthſchaftsverhältniſſe und die eignen Anſichten und Meinungen jedes Wirthes berührt, von welchen ein Rechnungsprincip nicht hergenommen werden kann, indem die Art der Fütterung Überall verſchieden iſt, auch iſt es nicht das Kraftfutter allein, was durch die thieriſchen“ Producte bezahlt werden ſoll, oder einen Preis erhält, weil, wie geſagt, das Strob, und beſonders das des Sommergetreides und der Hülſenfrüchte, ebenfalls einen Futterwerth hat.
Vergl. Mittheilungen aus dem Gebiete der Landwirthſchaft, berausgegeben von J. G. Koppe, F. Schmalz, G. Schwei- ber und F. Teichmann. Leipzig 1320. Bd. 2. S. 242 und 234,=- John Sinclair Grundgeſeze des AFerbaues, überſetzt von Schreibers, S. 473, und Bloks oben bezeichnetes Werk.
| Es kommt vielmehr darauf an, welchen verhältnißmä-
ßigen Werth jedes Futtermaterial gegen ein gewiſſes Normal- futter, oder ſogenanntes Kraftfutter, hat, wonach ſich findet, in welcher Weiſe gewiſſe Viebarten Gelegenbeit geben, auch ſonſt unnubßbares Futter zu nuten, wie z. B. die wilde AFerweide und die Strohabgänge durch Schafe. Man erfährt alſo auf die-


