Teil eines Werkes 
2 (1831)
Entstehung
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Oekonomiſc<e Rechenkunſt.

(591) neuen Düngung zu bezieben ſind. Allerdings wird nun derje» nige Beſiher im Vortheil ſtehen, der neben einer gewiſſen Aer- fläche noch eine gewiſſe Wieſen- und Weidefläche beſitzt, die die Düngermaſſe anſehnlich vermehren, ohne dieſelbe ſelbſt wieder zu conſumiren, ſolche vielmebr dem Aer zuweiſen z dieſer Vor- tbeil iſt aber local, entſpringt aus Beſitzesverhältniſſen und nicht aus der Natur des Bodens, und kann das Schätungs- princip nicht abändern: denn dieſes fordert, daß jedem Grund- ſtücke das berechnet wird, was es unmittelbar hervorbringt, folglich den Wieſen und Weiden neben dem Futter auch der Dünger davon. Wieſen und Weide neben AFerbeſit können alſo die Cultur des leßtern theils beſchleunigen, theils in der Fläche ausdehnen, d. bh. man kann mittelſt der erſtern eine größere A>erx- fläche(vorzüglich, wenn ſie etwa an ſich arm iſt), in Cultur ſeen, und ſie früher, als ſonſt möglich ſeyn würde, zum hin- reichenden Ertrage bringen; das Verdienſt iſt aber den Wieſen und Weiden, nicht dem Aer zu berechnen. Eben ſo kann man auf dieſe Weiſe den vorhandenen Aer in eine beſſere Cultur ſehen, um andere Früchte zu bauen, als man außerdem würde baben bauen können, z. B. Tabak, Hopfen u. drgl. 3; dann nubt man ſeinen Aker mittelbar etwas höber, je nachdem dieſe Artikel geſucht und bezahlt werden, d. bh. der Dünger von den Wieſen macht ſich beſſer bezahlt; dieß kann indeſſen immer no< keinen Grund abgeben, den Düngerwerib, noch weniger den Bo- denwerth in einzelnen ſolchen Verhältniſſen bedeutend höher zu Haben; man muß vielmehr auch hierin den mittlern Werth feſt- halten.

Aus dieſer Darſtellung der natürlichen oder derjenigen Ver- hältniſſe, unter welchen im Allgemeinen, unter geringen Abwei- <ungen der Hauptſache nach, der AFerbau betrieben wird, er- ſieht man, daß eine Zugrundlegung der Dreyfelderwirthſchaft bey Veranſchlagungsberechnungen und Werthsbeſtimmungen etwas höchſt Ungenügendes iſt, zumal wenn anerkannt iſt, daß dieſe Wirthſchaftsart nur auf ſolchen Bodenarten(mit Erfolg und Vortheil) möglich iſt, die einen reichen Strobertrag und durch denſelben das Material geben, um die nöthige Düngung wenig- ſtens für jedes ſechste Jahr herbeyzuſchaffen, ohne äußerer Fut- terzuſchüſſe(von andern Grundſtü>en) zu bedürfen(ſiehe Bd. I. Oekonomie S. 21 die Bemerkungen bierüber von Koppe). Da aber ein allgemein anwendbares Nechnungsprincip aus ſolchen Materialien, die vermöge ihres ſchwankenden und zum Theil willführlichen Weſens, ihrer unpaſſenden und theils zwe&widri- gen Verfahrungsart zur Sache nicht paſſen, auch nicht hergelei- tet werden kann, ſo glauben wir daſſelbe auf die vorbezeichnete Art am beſten feſtgeſtellt zu haben.

Die vorſtehende Anſicht von der Sache führt zu mehrerer Veberzeugung, ſobald wir den Aerbau für ſich und als ſelbſt- ſtändig betrachten, und dieß können wir, da es viele Länder und Diſtricte giebt, wo erhebliche Wieſen und Weidereviere gar nicht exiſtiren, wo man alſo auch von den aus Wieſen und Weiden hervorgehenden Culturmitteln nichts weiß, und dieſe alſo im Ackerboden ſelbſt ſuchen und finden mußz beruht aber die Exiſtenz einer Aerwirthſchaft lediglich auf der Exiſtenz ei- ner Wieſen= oder Weidefläche daneben: ſo iſt ihre Exiſtenz nicht