Teil eines Werkes 
1 (1831)
Entstehung
Seite
15
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Ackerländereyen.

(617) weitem nicht ausgeglichen. Denn gerade in Localitäten; wo ſich dieſe Flächen magern Bodens durch die barbariſche Behandlung, ſie zu bebäuen, ohne ihnen je Düngung zu geben, in dieſen Zu- ſtand verſeßt ſind, da fehlt es an Düngungsmitteln, um dieſem Mangel abzuhelfen und eine reichere Krume zu ſchaffen, Es giebt in den meiſten Fällen hier nur den langſamen Weg, durch Einrichtung einer zweE&mäßigen Weidewirthſchaft die Mittel zu erlangen, um die Krume allmählig zu bereichern. Wenn ſich nicht beſonders günſtige Umſtände-vereinigen, ſo geht ein Men- ſchenleben Daruber hin, ehe dieſe kraftloſen Ae>er- den in alter Dungtkraft ſtehenden gleich komnten,

Die Gelegenheit, ſolche Grundſtücke ohne große Koſten mit Mergel und Moder zu befahren, iſt daher als ſicheres Mittel, ſie ſchnell in einen mit ihrer Bodenmiſchung in Verhältniß ſtehen- den Culturzuſtand zu brißgen, von hohem Werthe. Eine un- ne Theorie über die Wirkung des Mergels war dieſer Weiſe

er Grundverbeſſerung entgegen, indem ſie lehrte, daß gerade auf magere Felder dieſe von der Natur in ſo großer Menge er- ſchaffne Subſtanz nicht gebracht werden dürfe, Die vieljährige Anwendung des Mergels in allen Ländern, wo ſie Statt gefun- den, hat, lehrt aber gerade das Gegentheil, in ſvfern man näm- lich den Mergel nur als Mittel betrachtet, eine magere Krume durch ſeine Aufbringung in den Zuſtand zu verſetzen, von wel- <em ab eine kräftige Äckercultur ausgehen kayn. Der Mergel theilt der Krume in ſolchem Falle, vorzüglich bey einer damit verbundenen Düngung, die Fähigkeit mit, die edleren Cultur- pflanzen in ähnlicher Vollkommenheit u erzeugen, als es auf den Feldern mit alter Dungkraft möglich iſt. Der Mergel ver- tritt daher nicht in allen Fällen den Miſt, ſondern er macht nur, daß dieſer gehörig wirkfam werde.

7) Der Bodenwerth-ſteigt und fällt durc meh- rere mercantiliſche und ſtatiſtiſche Rückſichten,

Die Gelegenheit, den Ueberfluß der Bodenerzeugniſſe ab- ſehen zu können, ohne daß ihr Transport viele Koſten verur- ſacht, erhöht den Werth des Bodens ſelbſt. Die meiſten rohen Bodenerzeugniſſe ſind viel zu voluminös und gewichtvol!, als daß ſie bedeutende Transportkoſten eintragen und doch noch eine Bodenrente gewähren könnte. Dieß iſt leider! in den Jahren der Wohlfeilheit und. der Stockung des Productenhandels in allen Gegenden recht auffallend wahrzunehmen geweſen, wo wegen ge- ringer Bevölkerung keine Verzehrung der Erzeugniſſe in der Nähe Statt ſindet. Hier ſind erſt die Producte und dadurch natürlich auch der Boden, der ſie erzeugte, werthlos geworden,

Bevölkerte Marktſtädte ſteigern daher den in ihrer Nähe lie- genden Boden ſo- hoch im Preiſe, als die Transportkoſten betra- gen, diefelben aus der Ferne mit Lebensmitteln zu verſorgen, Fahrbare Straßen,> Gelegenheit zum Waſſertransport und die Nähe guter Handelspläte Fönnen auch denjenigen Boden im Werthe erhöhen, der weit von dem Orte entfernt liegt, wo ſeine Erzeugniſſe verzehrt werden. Daher werden alte neuen Colonien an den Seeküſten angelegt, und von ihnen aus verbreitet die Cul- tur ſich in das Innere des Landes. Es ſind nicht die Erzeug- niſſe ſelbſt, um welche das Gewerbe des Aerbaues getrieben