AFerländereyen.
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Der ſauere Humus ſagt nur einigen wildwachſenden, harten Gewächſen, wie dem Heidekraut(erica vulgaris) zu, und iſt den meiſten angebauten Pflanzen zuwider. Kann die Säure entfernt werden, ſo wird Boden ſolcher Art auf eine unglaub- liche Weiſe verbeſſert, Der ogenannte Moorboden gehört hieher, und. dieſer iſt durch Brennen zu hoher Fruchtbarkeit gebracht worden,*
Der Kalk wird in der Ackertkrume theils mit dem Thon und Sand innig gemiſcht, theils bloß mechaniſch gemengt angetroffen. Das Lettere iſt der Fall, wenn dem Boden kleine Kreideſtücechen beygemengt ſind, Es iſt jedoch ſelten, daß der Kalk in dieſer Form auf der Oberfläche angetroffen wird. Man findet ihn auf dieſe Weiſe mehr in tiefern Erdſchichten,
Der Chemie bleibt es noch vorbehalten, über die Art und Weiſe, wie der Kalk:auf die Vegetation wirkt, in die geheime Wertſtatt der Natur zu dringen, Alle bisherigen Theorieen dare Über ſind nicht haltbar.
So viel hat die Erfahrung gelehrt, daß die Art der Verbite dung, welche die Kalkerde eingegangen iſt, ihre Wirkung ver- ändert.- Der kohlenſaure Kalk wirkt anders, als der ſchwefelz ſaure 3; der äende Kalk anders, als der kohlenſaure, welcher im Mergel enthalten iſt. Anders iſt bey dem letteren 3. B. wie- der die Wirkung, wenn er in einer Erdart vorherrſcht, anders wieder, wenn nur 15 bis 20 Procent davon darin enthalten ſind.
Damit ich jedoch nicht in das Gebiet der Agrenomie und Chemie hinüber gehe, ſo kehre ich dahin zurück, den kohlenſau= ren Kalk in ſeinen Eigenſchaften als Beſtandtheil der Ackerkrume zu betrachten,;
Bey allen lehmigen und thonigen Bodenarten iſt ein gerine ger Zuſaß von kohlenſaurem Kalk wünſchenswerth. Die damit verſehene Ackerkrume iſt in ihrem ganzen Verhalten bey der Be- a>erung und während der Vegetation anders,-als wenn der Kalk ganz fehlt. Ein Zuſatz von 1 bis 2 Procent macht den Lehmboden ſchon weit mehr zur Zerkrümelung geneigt, und verz hindert die Erzeugung von freyen Säuren, die der Vegetation nachtheilig ſind. Boden mit einigem Kalkgehalt troc>net nach der Winternäſſe und nach anhaltendem Regen früher ab. Mehz rere Pflanzen vegetiren in ſolcher Krüme freudiger, 3. B. die Oelſaaten, Klee, Luzerne und alle Diadelphiſten, Da die Wur- zeln mehrerer Gewächſe, als die der Esparſette und mehrerer Lu- zernearten, in großer Tiefe die kalk- und mergelhaltizen Erd- ſchichten ſuchen, ſo läßt ſich nicht anders annehmen, als daß der Kalk dieſe Pflanzen unmittelbar und ohne Dazwiſchenkunft des aus dem Humus bereiteten Extractivſtoffes-. nähre.
Der wichtigſte Grund für den vortheilhaften Einjluß des Kalks ſcheint aber die durch ſeine Beymiſchung entſtehende Wech- ſelwirkung der Atmoſphäre mit der Ackerfkrume zu ſeyn. Der in der Tiefe liegende Kalk, ſey er mit Lehm und Thon gemiſcht, oder für ſich allein eine Steinmaſſe bildend, hat dort einen groe ßen Zuſammenhang und läßt ſich ichwer loshauen. Aber an die Luft gebracht, verliert er die Cohaſionskräft. Der mit K1ik durch: drungene Lehm vder Thon wird mürbe und zerfällt in ein leicht: SITO Pulver. Kalk in Steinform löſet ſich in kleinen
lättern ab, je länger die Luft auf ihn einwirkt, Kleine Krei
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