Teil eines Werkes 
1 (1831)
Entstehung
Seite
462
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Bau der Feldfrüchte, 6. Abſ<n, Juny,

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c Wenn man nach der AM den mehr oder weniger voll- ſtändigen Anſaß der Körner beurtheilen will, ſo* darf man nur die. Aehren gegen das Licht halten, wo die befruchteten Spelzen durchſichtig erſcheinen, Da jedoch der Roggen ſehr langſam abblüht und oft über zwey Wochen dazu braucht, ſo darf man die nicht durchſichtigen Spelzen noch nicht für leer halten, denn es kann noch durch die ſich ſpäter entwitkeln= ven Blüthen eine Befruchtung erfolgen. Sicherer erkennt man GERIET ſpäter, wenn man eine Aehre durch die Finger zieht.

Eine beſondere Krankheit, der der Roggen hauptſächlich in feuchten Jahren unterworfen iſt, iſt das ſogenannte Mutterkorn. Es iſt dieß ein ſchwarzer Auswuchs aus den Spelzen der Aehre, der ſich in Geſtalt eines ſchwarzen Hörnchens zeigt, ſich leicht zerbrechen läßt, und dann inwendig eine weißgrauliche, mehl: artige, tro>ne und zuſammenhaltende Subſtanz zeigt, die meiſt geruchlos iſt, aber manchmal einen widrigen Geruch hat. Die- ſes Mutterkorn, in geringer Anzahl vorhanden, ſchadet nicht; in großer Menge aber und beſonders im friſchen Zuſtande, er- zeugt es Schwindel, bey Menſchen und Vieh hauptſächlich die Kribbelkrankheit, ja ſogar tödtliche Krankheiten. Man vermu- thet, daß ſich das Mutterkorn durch die Näſſe während dex Blüthe, wo die nicht befruchteten Spelzen verdumpfen, erzeuge. Mittel, ihm vorzubeugen, ſind nicht bekannt.

Auch hat der Noggen unter den Inſecten viele Feinde 3 die Larven der Braach- und Maykäfer verzehren ſeine Wurzeln; die Werre, Werle, Reutwurm, auch Maulwurfs- grille, die ſich in dem Erdboden gleich dem Maulwurf Gänge gräbt, ſchadet theils dadurch dem Roggen, theils dadurch, daß ſie ſeine Wurzeln anfrißt. Auch finden ſich mehrere Inſecten, welche in die Knoten des grünen Roggens ihre Eyer einlegen, aus denen ſich Maden bilden, die den Halm am Knoten"ganz

abfreſſen, ſo daß derſelbe aus der Scheide über dem Knoten leicht.

herausgezogen werden kann. Auch die Heuſchre>en verheeren ihn oft gänzlich. Unter den vierfüßigen Thieren ſchaden ihm ganz beſonders die Mäuſe und Hamſter. Ueber alle. dieſe Thiere, die auch andern Feldgewächſen ſchädlich ſind, werden wir ſpäter han- deln, und die bekannten Mittel zu ihrer Verminderung und Ver: tilgung angeben.

Je mehr ſich der Noggen ſeiner Ausbildung nähert, einen um ſo gleichmäßigern Stand muß derſelbe in den Aehren haben, wenn er einen lohnenden Ertrag geben ſoll, Sind viele Halme ſehr kurz oder ſehr lang, dünner oder dier, ſo iſt ſowohl im Stroh, als in Körnern kein ſonderlicher Ertrag zu erwarten, Findet man viele Halme, die die andern ſehr überragen, die aber die Aehren gerade in die Höhe ſtehend haben, ſo iſt dieß eine gewöhnliche Bnzeige von ermangelndem Körneranſat. Jn vielen Gegenden nennt"man ſolche Halme die Aufkäufer, und will damit ein Steigen des Roggens 1m Preiſe bezeichnen. Hängen die Aehren dagegen nach unten, ſo daß der obere Theil des Stängels gekrümmt iſt, ſo darf man ſich eines guten Körner: ertrags verſichert halten. 7

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