waltig. als Räthe und Diener der Kbnige und Für- ſten; zu geſchweigen, daß aus LübeF und Nürn- berg, aus Danzig und Strasburg, aus Ghent und Antorff, aus Zürich und Baſel Bürger auszogen, die als Feldherren und Krieger es den beſten ge- ſtämpelten Rittern im Felde gleich thaten und ſich ihnen gleich trugen. Aber nun» wurden die meiſten alten Städte abhängig, die wenigen übrig, geblie? benen Freien von Jahr zu Jahr. geringer und an Gebiet; Macht und Anſehen von geiſtlichen und weltlichen Fürſten geſchmälert. Den Abhängigen die lezten Reſte ihrer alten Verfaſſung, das leßte Gefühl von Selbſtändigkeit, die leßten Erinnerun- gen vergangener Herrlichkeit zu rauben, dahin ha- ben in den leßten Jahrhunderten alle Fürſtenräthe wetteifernd geſtrebt, Man. nannte dies Streben Streben nach Einheit und Vollkommenheit; man meinte es auch nicht immer böſe; unglücklich hatte man vom Staat den Begriff einer Maſchine be- kommen, je kraftloſer, bewußtloſer, biegſamer je mehr allen Dingen, nur nicht ihnen ſelbſt gleich die Menſchen waren und ausſahen, deſto geſchi>- ter ſah man ſie an, in ihnen das große Kunſtſtü> zu vollenden; aber, aber== man bedachte nicht, daß ein Staat lebendig ſeyn ſoll, und daß eine Maſchine nichts als todtes Geklapper iſt, wenn kein lebendiger Geiſt in ihr ſit, der ſie aufzieht. So haben die meiſten Regierungen planmäßig, aber unbewußt, an ihrer eignen Schwächung und Ver- nichtung- gearbeitet, die leßte Kraft verſchleifend, den leßten lebendigen und freien Geiſt zerſtöhrend, ver im Staate hoch übrig war. Der Feudaladel fonnte in ihm dieſen Geiſt nicht haben, weil er, wie die ganze Geſchichte zeigt, ſeiner Natur nach allem Bürgerlichen grade entgegengeſeßt iſt; und wäre wirklich ein jugendliches und erneuendes Leben in ihm geweſen, ſo war ſeine Maſſe im ganzen Volke doch zu flein, als daß er das Todte und Erſtarrte
Druckschrift
Der Bauernstand politisch betrachtet : mit einer Beilage / Ernst Moritz Arndt
Seite
133
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


