Der Absatz von Vieh und Vieh-Produkten. 59
Wochen nach Inkrafttreten des Vertrages gelangten aus fünf Vereinen 60 fette Kühe zum Verkauf.
So sind denn im Norden und im Süden unseres großen Vaterlandes schon Beispiele gegeben zur genossenschaftlichen Regelung des Fettvieh- Absatzes und zwar in einer Weise, die verhältnis- mäßig als eine einfacßhe und wenig komplizierte angesprochen werden kann.
Die Errichtung von Genossens<afts-Sc<läctereien durch die viehproduzierenden Landwirte selbst ist der zweite und zwar der direkteste Weg, welcher eingeschlagen werden kann, um das Fettvieh- Verkaufs- Geschäft entsprechend zu organisieren. Hierbei wird mit Umgehung jeder Vermittelung der Produzent mit dem Konsumenten in Verbindung gebracht. Daß das in manchen Gegenden sehr notwendig ersc<heint, kann faum bezweifelt werden. Wenn die Schlächter in ihren Vereinen, Verbänden und Innungen Gelegenheit nehmen, über Fleischpreise sich zu einigen, um gegenseitiger Kon- kurrenz vorzubeugen, so steht dem Landwirt ebenfalls das Recht zu, mit gleicher Waffe zu kämpfen, um sich nicht beliebigen Preis auf- drängen lassen zu müssen.=- Die Errichtung von landwirtschaft- lichen Genossenschafts-Schlächtereien soll und wird nicht dem Zwece dienen, das Schlächter-Gewerbe zu ruinieren, sondern demselben, wo es nötig ist, die frische, freie Konfurrenz zu bieten, welche im Inter- esse des Produzenten sowohl wie des Konsumenten liegt.
In sehr treffender Weise motiviert Herr Professor Feser- Münden seine Anregung zur Gründung der bekannten Sc<hwa- bing er Genossenschafts-Schlächterei; er schreibt:
„Die Pfarr-Gemeinde Schwabing liegt unmittelbar bei Mün- Hen, zählt 7500 Einwohner und hat vorzugsweise eine aus kleineren und mittleren Landwirten und vielen Arbeiterfamilien bestehende Bevölkerung. Die Landwirte bauen Getreide, viel Kartoffeln und besiken ansehnliche Wiesenflächen für Futterproduktion; der aus der Stadt München reichlich verfügbare und benutzte Kloaken-(Abtritt-) Dünger förderte den Futterbau außerordentlich. Fast alle Landwirte treiben Milchwirtschaft und zwar nach dem sogenannten Ausmelksystem,


