Die Verkaufs-Genossens<haften.
nehmen müßten, sondern noch zahlreichen Chifanen aus-
gesetzt seien.
Zum Beweise der letzteren Anklage wurde angeführt, daß bei der Abnahme der Schweine 3. B. von dem Hauptunternehmer ihm nicht preiSwürdig erscheinende Tiere kurzweg als finnig erklärt worden sind, so daß die Finnen in dem Bezirke förmlich zu grassieren schienen. Auch eine Menge anderer Ausflüchte wurden benutzt, um den Verkäufer, welcher oft weite Wege mit seinen Tieren gemacht hatte und selbe nicht wieder zurückbringen konnte und wollte, bei der Abnahme zu Preisreduktionen bis zu 503 zu veranlassen. Auch die Gewichtsbestimmung soll mit oft nicht lauteren Manipulationen zu Gunsten des Käufers beeinflußt worden sein.
Charakteristisch war, daß die Käufer ihre Leute sich aussuchten und die geschilderten Übervorteilungsbestrebungen nicht an Landwirten augübten, von denen sie Widerstand befürchten mußten, sondern an dem Tagelöhner, Kleinbauer u. s. w., der eine unüberwindliche Scheu hat, vor dem Gerichte, selbst mit der berechtigsten Klage, zu erscheinen.
Mögen doch die freundlichen Leser prüfen, ob in ihren Wohn- bezirfen nicht ähnliche Mißstände herrschen; sie zu bekämpfen ist eine ernste Pflicht jedes einzelnen und jeder Korporation, denn sie be- deuten eine systematische Aussaugung eines braven, ehrlichen Teiles unseres Volkes, der im Schweiße seines Angesichtes sein Brot ver- dient und den der heimischen Sc<olle zu erhalten als allgemeine Aufgabe erscheint.
Um die eben geschilderten Übelstände zu beseitigen, hat die oldenburger Landwirtschafts-Gesellshaft im Jahre 1884 für die am meisten bedrängten Bezirke die Gründung einer Absatz-Genossenschaft in die Hand genommen und das Mittel hat vortrefflich geholfen.
Nun giebt es im Bezirke keine finnigen Schweine mehr, die Luft ist gereinigt und der Zwischenhändler weiß, daß er einen mäch- tigen, wachsamen und unerbittlichen Konkurrenten hat, nämlich die Genossenschaft.
Welch erbärmliche Mittel von dem Zwischenhändlertum ange-


