Aufsatz 
Das Elsaß und die Elsässer im "Rheinischen Merkur" 1814-16 / von Emil Mendling
(Zabern)
Entstehung
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aufgelöſt werden ſollen?Welch ein Anglück für dieſe Länder, nunmehr vielleicht zerſtückelt oder im günſtigſten Falle zu einer übelregierten Zwergmonarchie(gemeint iſt wohl Baden) geſchlagen zu werden. Derſelbe Verfaſſer ſchlägt vor, daß die Städte Straßburg, Colmar u. ſ. w. zu Deutſchlandin das Verhältnis freier Bundesſtädte kommen ſollten(als ob das keineZerſtückelung bedeutet hätte!), wozu, anſcheinend vom Herausgeber, die reſignierte Anmerkung gemacht wird (23. September):Auch wenn Elſaß und Lothringen nicht abgetreten würden, ſollten Straßburg, Colmar u. ſ. w. in das Verhältnis zu Deutſchland zurückkehren, das ihnen durch den weſtfäliſchen Friedenstraktat zugeſichert war. So wenig hatte man alſo, trotz allen Lärms über den franzöſiſchenRaub, aus der Geſchichte gelernt!

Als der zweite Pariſer Friede(20. Nov.) die große Enttäuſchung bringt, macht ſich dieſe nicht einmal beſonders heftig Luft. Man vertraut auf die Zukunft. Noch vor dem Friedensabſchluß weisſagt der Pariſer Berichterſtatter:Es wird eine Zeit kommen, wo kein Engländer in Hannover und kein Franzoſe in Straßburg etwas zu ſagen hat. And Görres ſelbſt ſchreibt am 16. Dezember:Die Nation wird in Hoffnung beſſerer Zeiten und im Vertrauen auf Gott ihr abermaliges Anglück zu tragen wiſſen. Die Ironie des Schickſals wollte es, daß er, der ſo liebevoll für Öſterreich vorgeſorgt hatte, jetzt gerade öſterreichiſche Vorwürfe zurück⸗ weiſen mußte, daß er in ſeinem Blatt eine allzu begehrliche Politik gepredigt habe. Zornig ruft erNach Wien hin⸗ über:Das Baſiliskenei, das der franzöſiſche Hahn gelegt und das die deutſche Einfalt ſich auszubrüten bemüht, wird früh genug ausgehen.... Das goldene Jahrhundert wird nicht halb vergangen ſein, und dieſe wiedergeborenen Fran⸗ zoſen, in deren Geburtswerk ſie ſo erbarmend und zutätig Hebammendienſte geleiſtet, werden wieder dies⸗ und jenſeits des Rheines brennen und ſich ſodann nach Wien auf die Reiſe geben.

Noch in der letzten Nummer desRheiniſchen Merkur vor ſeiner Anterdrückung durch die preußiſche Regierung, und