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Bollwerk des Elſaſſes wohl geſichert läge, wird vor ihm, gerade wie die Rheinlande, immer der Schauplatz fran⸗ zöſiſcher Kriege ſein.“ Noch am 8. November gibt er aus der Schrift„Was ſollen wir Deutſche fordern?“ in Sperr⸗ druck den markigen Imperativ wieder:„Löſt Baubans Stachelgurt von Frankreichs Grenze, legt ihn der eurigen anl!“
Was ſollte nun mit dem wiederzugewinnenden Lande angefangen werden? Auch dieſe Frage wird mehrfach be⸗ handelt und verſchieden beantwortet. Am 15. Juli ver⸗ zeichnet Görres das Gerücht, der öſterreichiſche Prinz Karl ſolle Lothringen bekommen, Preußen„das Rheinland bis zum Jura“; man könne es aber auch umgekehrt machen: jedenfalls ſollten Sſterreich und Preußen„über Rhein die Schildburg gegen den Süden ſchließen“. ¹) Dieſer im Grund⸗ ſatz gewiß am nächſten liegende Gedanke kehrt merkwürdiger Weiſe ſpäter nicht mehr wieder. Trotz der Anerkennung, die Görres den militäriſchen Erſolgen der Preußen zollt, reden er und andere in der Folge immer nur von einem Zuwachs Öſterreichs auf dem linken Rheinufer.„Deutſch⸗ land war es ſeiner Ehre und ſeinem ehemaligen Heerführer aus dem Kaiſerhauſe ſchuldig, ihm dort.. ein neues Herzog⸗ tum zu gründen und durch ihn das Reichspanier wieder auf den alten Grenzen aufzupflanzen“. Einmal wird vorgeſchlagen, dem Großherzog von Toskana das Elſaß, Lothringen und Hochburgund als Königreich anzubieten, da„die Bewohner dieſer Landſtriche eine alte Anhänglichkeit für das Haus Öſterreich hegten“. Temperamentvoll wendet ſich der Mit⸗ arbeiter O. gegen eine Zerſtückelung des Landes.„Darm⸗ ſtadt ſchmeichelt ſich, ſeine ehemaligen elſaſſiſchen Beſitzungen wieder zu bekommen. Wäre es nicht zuträglicher, daß die leitenden Souveräne die Erklärung ausgehen ließen, daß Elſaß und Lotharingen, wiewohl getrennt von Frankreich, beſtändig ein Ganzes bilden, nie aber in Krähwinkelſtaaten
¹) Einen ganz ähnlichen Vorſchlag hatte J. Grimm ſchon 1814 gemacht(ogl. den oben erwähnten Aufſatz).


