14
II.
Das Elſaß und die Elſäſſer im„Rheiniſchen Merkur“ 1814—16. Von Emil Wendling(abern).
Sy rei Wochen nach Blüchers Rheinübergang, am Sonntag 2³ 9 den 23. Januar 1814, erſchien in Roblenz unter dem Schutze der von den Verbündeten eingerichteten provi⸗ ſoriſchen Berwaltung des Rhein- und Moſel-Departements die erſte Nummer einer deutſchen Zeitung unter dem Titel „Rheiniſcher Merkur“. Das neue Blatt führte ſich mit einem ſchwungvollen Leitartikel voll glühender patriotiſcher Be⸗ geiſterung und ſtarken Selbſtbewußtſeins ein; es wollte nicht nur auf dem zwei Jahrzehnte lang franzöſiſch geweſenen linken Rheinufer eine„Stimme der Völker“ werden, ſondern in ganz Deutſchland die Fahne der Freiheits⸗ und Bater⸗ landsliebe entrollen. Der Herausgeber war nicht genannt, bald aber kannte man ihn, und nicht bloß im Bereich der beiden Flußgötter Rhenus und WMoſella, die in klaſſiſcher Nacktheit, auf ihre Arnen geſtützt, am Kopfe des Blattes prangten. Es war der damals achtunddreißigjährige Phyſik⸗ profeſſor an der Koblenzer Sekundärſchule Joſef Görres, der ſich in politiſchen und literariſchen Kreiſen durch verſchie⸗ dene eigenartige Schriften bereits einen Namen gemacht hatte.
Daß er auch ſchon eine Entwicklung hinter ſich hatte, brachte das Zeitalter ſo mit ſich. Geboren zu Koblenz unter der Herrſchaft des letzten trieriſchen Kurfürſten, hatte der dreizehnjährige Gymnaſiaſt den Ausbruch der franzöſiſchen Revolution erlebt; mit ſechzehn Jahren ſah er die Emigranten in ſeiner Baterſtadt die Gegenrevolution organiſieren, mit achtzehn die Truppen der Republik einziehen. Der Strom der Zeit riß ihn mit; er wurde Republikaner. Im Jahre 1797 ſehen wir ihn an der Spitze des Koblenzer Patrioten⸗ klubs den Freiheitsbaum pflanzen; zwei Jahre ſpäter begibt ſich der Dreiundzwanzigjährige mit zwei Mitbürgern nach Paris, um die Aufnahme der Kheinlande in die franzöſiſche


