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Legationsſekretär im Hauptquartier der Verbündeten den Feldzug mitgemacht hatte, war auf der Rückreiſe von Paris Mitte Juni einige Tage in Straßburg geweſen und hatte dort nur günſtige Eindrücke empfangen. Nach Kaſſel zurück⸗ gekehrt, ſand er den„Rheiniſchen Merkur“ vor, den er bis dahin noch nicht geſehen hatte. Der Artikel über das Elſaß veranlaßte ihn, ſeine eigenen Beobachtungen dagegen zu ſtellen. Er ſchrieb darüber an Görres am 18. Juli:„.. ſchicke ich Ihnen eine Beilage über den Elſaß, wo es mir durchaus gut gefallen hat, und ich ſchreibe aus friſchem Andenken; vielleicht mögen Sie ein oder das andere daraus für die Zeitung nehmen“. Görres antwortete am 22. Auguſt:„Den Auſſatz über Elſaß habe ich, wie Sie gefunden, auſgenommen, er iſt mir recht willkommen geweſen, weil er eine Sünde gut gemacht hat, die ich wider Willen begangen hatte“. Ein ähnliches Bekenntnis legt er in dem Leit⸗ artikel„Die Elſaßer“(6. Auguſt) ab, in dem er Grimms Mitteilungen verwertete; er bringt darin zunächſt einige weniger günſtige Berichte, doch ſo, daß ſie durch Grimms warmherzige Ausführungen richtig geſtellt werden. Die letzteren betonen den deutſchen Kern des Landes und gipfeln in dem ſchönen Schlußwort:„Die Elſaßer ſind und(ge)hören uns von Gott und Rechtswegen; darum ſollen wir nicht gegen unſer eigen Fleiſch ſprechen, ſondern warten, bis ein gutes Schickſal uns mit Ehren zu ihnen und ſie ohne Sünde zu uns führe“. ¹)
Die freundlichere Stimmung dem Elſaß gegenüber, zu der ſich Görres durch den Kaſſeler Freund hatte bekehren laſſen, hielt auch in der Folge an. Sie ſpricht ſehr lebhaft aus einem Artikel„Deutſchfranzöſiſches Point d'honneur“ (2. Dezember). Vor mehr als hundert Jahren, ſo ſagt er hier, habe das deutſche Reich eins ſeiner kräftigſten und
¹) Bgl. meinen Aufſatz: Jakob Grimm und das Elſaß(Straß⸗ burger Poſt, 19. und 20. Sept. 1913, Nr. 1056, 1060).— J. B. Lambla hätte in ſeiner kürzlich erſchienenen Diſſertation„Das Anter⸗Elſaß in den Jahren 1814—1818“(Straßburg 1913) S. 35 f. die Grimm'ſchen Ausführungen nicht als Originalarbeit von Görres behandeln dürfen.


